Band 
Vierter Teil.
Seite
170
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gegen die Kälte mit der nötigen Feuerung schützen, so ist er nicht not-leidend zu nennen, wenn auch die Wohnung weniger bequem, die Kleidungweniger gut und die Speisen weniger nahrhaft sind, als man sie einemjeden gern wünschen möchte. Das, was in den Strafanstalten den Gefangenenin den obigen Beziehungen geboten wird, müßte ohne übertriebene An-sprüche gewiß als dieses Minimum betrachtet werden; aber nicht einekleine Zahl der Bewohner der Provinz, die man die Perle in PreußensKrone nennt, lebt materiell bei weitem schlechter als die Sträflinge inden Zuchthäusern.

Will man sich ein ungefähr richtiges Bild von der Verteilung derNot und ihrer Intensität machen, so denke man sich von dem flachenLande nach der Riesenkoppe, der Eule nnd der Heuscheuer überallhinLinien gezogen; je mehr sich diese Linien den Spitzen nähern, um destogedrängter erscheint die Zahl der Elenden und um desto härter das Losder Notleidenden. Im allgemeinen wage ich es dreist auszusprechen, daßsich eine geordnete Armenpflege in den meisten Ortschaften der Provinzgeradezu nur auf dem Papiere vorfindet; die Gesetze, wie sie liegen, sindunter den obwaltenden Verhältnissen unausführbar, und in den meistender von mir besuchten Ortschaften wird die Armenpflege nur durch diean bestimmten Tagen, gewöhnlich Mittwoch und Sonnabend, freigegebeneBettelei gehandhabt.

Es gibt sich die größere Armut am Äußern der Häuser kund, zumBeispiel an den Schornsteinen von Holz. Vier starke Bohlen, mit Lehmüberklebt, bilden den Rauchfang in den ärmeren Gegenden des Gebirges.Die Kreispolizeibehörden bemühen sich zwar, dieselben wegen der ver-meintlichen Feuergefährlichkeit auszurotten; die Armut der Hauseigen-tümer aber macht die polizeilichen Verfügungen unwirksam. Ja in einemDorfe fand ich in vielen ärmlichen Häusern die Feuerungseinrichtungnoch in dem Naturzustände, daß der aus dem Ofen entweichende Rauchsich seinen beliebigen Weg unter dem Strohdache durch ein in demselbenoffen gelassenes Loch selbst suchen kann. Diese Art der Rauchabzügeoder auch die hölzernen Schornsteine sind die weithin sichtbaren Kenn-zeichen der ärmlichen Lage der Hausbesitzer.

Auch dies ist in den Industriedistrikten für ein solches Zeichen an-zusehen, wenn an schönen Tagen sich in der Dorfstraße wenige Kinderumhertreiben. Der sehr geringe Lohn nötigt die Eltern dazu, die schwachenKräfte der Kinder schon mit vier Jahren für die leichteren Arbeits-verrichtungen in Anspruch zu nehmen. Kann das Kind noch nicht laufen,so findet sich niemand im Hause, der es in die freie Luft tragen kann;denn Vater und Mutter sitzen am Webstuhl oder Spinnrad, die kleinenGeschwister sind mit dem Spulen beschäftigt, und so müssen die Kinderin der Stube und in der Wiege bleiben. Hin und wieder stößt dann dieder Wiege nahe sitzende Mutter diese mit einer Hand heftig an, damitsie eine Weile von selbst fortschaukelt und das Kind sie nicht bei derArbeit stört. Morgen kommt vielleicht schon der Garnsammler ins Haus;ist der Strähn da noch nicht fertig, so gibt es keinen Arbeitslohn, undder Bauer, bei dem die Kartoffeln schon lange auf Borg entnommenworden, will ohne bare Bezahlung keine Lebensmittel mehr verabreichen,