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offenen Wunden, bei denen bereits die Entzündung um sich gegriffen,waren wütend vor Schmerz ; sie verlangten, daß man ihren Leiden durcheinen schnellen Tod ein Ende mache, und mit verzerrtem Antlitze wandensie sich im letzten Todeskampfe.
Wieder an andern Stellen lagen Unglückliche, die nicht allein durchKugeln und Bombenstücke getroffen, sondern deren Glieder auch nochvon den Bädern der Geschütze, die über sie hinwegfuhren, zerschmettertoder weggerissen worden waren. Der Anprall der zylindrischen Kugelnzersplitterte die Knochen nach allen Seiten hin, so daß die dadurch ver-ursachte Wunde stets gefährlich wurde; allein auch die Bombenstückeund die konischen Knochen verursachten solche schmerzhafte Knochen-zerschmetterungen und große innere Verletzungen. Splitter jeder Art,Knochenstücke, Teile von Kleidern, der Ausrüstung oder der Fußbeklei-dung, Erde und Stücke Blei machten die Wunden gefährlicher durchden geübten Reiz und vermehrten dadurch die Qualen der Verwundeten.
Wer diesen ausgedehnten Schauplatz des Kampfes vom vorigenTage durchwanderte, traf auf jedem Schritte und inmitten einer Ver-wirrung ohnegleichen unaussprechliche Verzweiflung und Elend in allenGestalten. Man verwendete drei Tage und drei Nächte, um die Toten,die auf dem Schlachtfelde liegengeblieben waren, zu begraben; alleinauf dieser weiten Strecke waren manche Leute in den Gräben, in denAckerfurchen verborgen oder versteckt in Gebüschen und andern Terrain-unebenheiten und konnten erst später aufgefunden werden, und alle dieseLeichname wie die gefallenen Pferde hatten die Luft mit giftigenDünsten geschwängert.
B. Bei den Verwundeten und Sterbenden in Castiglione.
Auf den Steinplatten der Spitäler und Kirchen von Castiglione warennebeneinander Leute aller Nationen, Franzosen und Araber, Deutscheund Slawen niedergelegt worden; manche einstweilen in der Ecke einerKapelle untergebrachten Leute hatten nicht mehr die Kraft, sich zu be-wegen oder konnten in diesem engen Raum sich nicht rühren. Flüche,Lästerworte und Geschrei hallten in den heiligen Räumen wider. «Ach!mein Herr, wie leide ich!» sagten einige dieser Unglücklichen zu mir,«man gibt uns auf; man läßt uns elend sterben, und doch haben wiruns ja wacker geschlagen!» Trotz den Mühen, die sie ausgestanden,trotz den schlaflosen Nächten konnten sie jetzt keine Ruhe genießen;in ihrer Verzweiflung riefen sie die Hilfe eines Arztes an oder schlugenwild um sich, bis der Starrkrampf und der Tod ihrem Leiden ein Endemachten. Einige Soldaten, welche glaubten, daß das auf ihre bereits inEiterung übergegangenen Wunden gegossene kalte Wasser Würmer her-vorbringe, wollten sich ihre Verbände nicht mehr anfeuchten lassen;andern, welche in den Feldlazaretten verbunden worden waren, wurdeseit ihrem gezwungenen Aufenthalt in Castiglione der Verband nichtmehr gewechselt; er war durch die Stöße auf dem Wege so zusammen-gepreßt worden, daß sie jetzt eine wahre Marter auszustehen hatten.Ilir Antlitz war von Mücken bedeckt, die an ihren Wunden sogen;