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Lage verschlechterte ...», da wurde das Volk unruhig. Anfänglich kaumhörbar, begann der Lärm zu wachsen, ohne daß es möglich gewesenwäre, ein Wort zu verstehen.
Der Isprawnik gebot Buhe. Alles verstummte. Der Priester lasweiter: «Dem Adel selbst haben Wir es überlassen, seinem eigenenAnsuchen gemäß, Vorschläge über die neue Regelung der bäuerlichenVerhältnisse zusammenzustellen. . . .» Das Volk geriet wieder in Bewe-gung. Der Isprawnik brachte es abermals zum Schweigen. Es folgtendie Worte: «Die Leibeigenen werden seinerzeit die vollen Rechte vonfreien Dorfbewohnern erhalten. Die Gutsbesitzer, welche ihr Eigentums-recht an allem ihnen gehörigen Land behalten, überlassen den Bauerngegen Entrichtung der festgesetzten Leistlingen die beständige Nutzungdes Landes, auf welchem sie angesiedelt sind. ...» Erneuter Lärm,erneutes Ruhegebot des Isprawnik. Dann hieß es weiter: «Indem sieihre Landesanteile nutzen, sind die Bauern verpflichtet, zugunsten derGutsbesitzer die in der Verordnung festgesetzten Leistungen zu über-nehmen.» Jetzt waren die Bauern augenscheinlich bekümmert und ließendie Köpfe hängen. Einer der Vordersten sagte laut: «Was ist denn dasfür eine Freiheit?» Da zupfte ihn ein Polizist am Ärmel, und er ver-stummte. «Die neue Ordnung kann wegen der mit ihr verbundenen zahl-reichen Änderungen nicht plötzlich erfolgen, sondern bedarf der Zeit,wahrscheinlich mindestens zweier Jahre, und darum wird zur Verhütungvon Irrungen und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen und privatenWohlfahrt die gegenwärtig auf den herrschaftlichen Landgütern be-stehende Ordnung gewahrt bleiben, bis nach Beendigung der erforder-lichen Vorbereitungen die neuen Einrichtungen zur Einführung ge-langen. . . .» Hier äußerte jener vorderste Bauer vernehmlich: «In diesenzwei Jahren werden die Herren uns das Fell ganz über die Ohren ziehen.»Nach eingetretener Ruhe sagte der Priester: «Bis zum Ablauf dieser Fristhaben die Bauern und Hofesleute im früheren Gehorsam den Gutsbe-sitzern gegenüber zu verharren und ohne Widerrede die bisherigen Pflichtenzu erfüllen.»
Hier entstand eine ganz ernsthafte Unruhe. Es erhob sich ein solchesMurren und Geschrei, daß der Priester die Verlesung unterbrechen mußte.Da sprach der Isprawnik: «Unterstehet euch nicht, des Kaisers Wortezu unterbrechen! Was der Priester verliest, das redet zu euch derHerr und Kaiser. Wenn er euch nicht die Freiheit, sondern Zwangs-arbeit böte, so habet ihr auch dann zu schweigen, zu hören und gehorsamzu sein. Euch schenkt der Kaiser seine Gnade, gibt euch die Freiheit,und ihr waget es, zu schreien. Ruhe, nicht ein Wort mehr!»
Die Bauern verstummten sogleich, und bis zum Schluß der Verlesungdes Manifestes standen sie, als wäre keine lebende Seele in der Kirche.Auf das Manifest folgte ein Dankgebet für den Kaiser. Darauf befahlder Isprawnik dem Volke, die Kirche zu verlassen, weil er noch einigesaus dem Manifest und der Verordnung näher zu erklären beabsichtige.Ohne das Kreuz zu küssen, gingen die Leute hinaus und versammelten sichdraußen am Kirchenflügel. Wir gingen auch dorthin, und der Isprawnikbegann, die ihnen unverständlichen Sätze zu erläutern. Er gab ihnen