Band 
Vierter Teil.
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135. Kundgebung Zar Nikolaus’ II. »für eine internationaleAbrüstungskonferenz, 24. August 1898.

Das Staatsarchiv, Sammlung der offiziellen Aktenstücke zur Geschichteder Gegenwart, begründet von Aegidi und Klauhold, herausgegeben vonGustav Roloff, Bd. LXIV, 1901, S. 107 f. Aus dem Französischen über-setzt bei Schulthefi, Europäischer Geschichtskalender, neue Folge, Jahrg.XIV (1898), herausgegeben von Gustav Roloff, 1899, S. 326 f.

Die folgende, vom Grafen Murawjew, dem russischen Minister des Äußern,den in Petersburg beglaubigten Gesandten übermachte Einladung führte zurersten Haager Friedenskonferenz im Jahre 1899.

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Die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens und eine möglicheHerabsetzung der übermäßigen Rüstungen, die auf allen Nationen lasten,stellen sich in der gegenwärtigen Lage der ganzen Welt als ein Idealdar, auf das die Bemühungen aller Regierungen gerichtet sein müßten.Das humane und hochherzige Bestreben Seiner Majestät des Kaisers,meines erhabenen Herrn, ist ganz dieser Aufgabe gewidmet. In derÜberzeugung, daß dieses erhabene Endziel den wesentlichsten Interessenund den berechtigten Wünschen aller Mächte entspricht, glaubt dieKaiserliche Regierung, daß der gegenwärtige Augenblick äußerst günstigdazu sei, auf dem Wege internationaler Beratung die wirksamsten Mittelzu suchen, um allen Völkern die Wohltaten wahren und dauernden Frie-dens zu sichern und vor allem der fortschreitenden Entwicklung dergegenwärtigen Rüstungen ein Ziel zu setzen.

Im Verlaufe der letzten zwanzig Jahre hat der Wunsch nach einerallgemeinen Beruhigung in dem Empfinden der gesitteten Nationen be-sonders festen Fuß gefaßt. Die Erhaltung des Friedens ist als Endzielder internationalen Politik aufgestellt worden. Im Namen des Friedenshaben große Staaten mächtige Bündnisse miteinander geschlossen. Ilmden Frieden besser zu wahren, haben sie in bisher unbekanntem Gradeihre Militärmacht entwickelt und fahren fort, sie zu verstärken, ohnevor irgendeinem Opfer zurückzuschrecken.

Alle ihre Bemühungen haben trotzdem das segensreiche Ergebnisder ersehnten Friedenstiftung noch nicht zeitigen können. Da die finan-ziellen Lasten eine steigende Richtung verfolgen und die Volkswohlfahrtan ihrer Wurzel treffen, so werden die geistigen und physischen Kräfteder Völker, die Arbeit und das Kapital zum großen Teile von ihrernatürlichen Bestimmung abgelenkt und in unproduktiver Weise aufge-zehrt. Hunderte von Millionen werden aufgewendet, um furchtbare Zer-störungsmaschinen zu beschaffen, die heute als das letzte Wort derWissenschaft betrachtet werden und schon morgen dazu verurteilt sind,infolge irgendeiner neuen Entdeckung auf diesem Gebiet jeden Wertzu verlieren. Die nationale Kultur, der wirtschaftliche Fortschritt, dieErzeugung von Werten sehen sich in ihrer Entwicklung gelähmt undirregeführt. Daher entsprechen in dem Maße, wie die Rüstungen einerjeden Macht anwachsen, diese immer weniger und weniger dem Zweck,