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nun zwar trefflich in der Todesverachtung des Kriegers; allein er hatauch ein unangenehmes Gegenstück, das ist das allzu große Vertrauenauf Allah, die blinde Ergebenheit in das Kismet (Schicksal). Die Truppenvertrauen darauf, daß eben alles doch seinen vorherbestimmten Gangnimmt, und daraus resultiert ein rasches Erlahmen vor Widerständenund Hindernissen, die leicht für unüberwindlich gehalten werden, undeine verblüffende Sorglosigkeit. In diesem Kriege gab. es genug Bei-spiele dafür. Die Sorglosigkeit ging so weit, daß die Posten selbst vordem Feinde öfters ihren Platz verließen, um sich schlafen zu legen, wieich selbst in der Tschataldschalinie 1 beobachten konnte. . . .
Bis zur jungtürkischen Revolution 2 war das osmanische Heer zwarnicht national, aber doch religiös einheitlich, das heißt das türkischeHeer bestand aus einer Reihe der verschiedensten Nationalitäten, undzwar auch aus solchen, die keineswegs immer mit der türkischen Herr-schaft zufrieden waren, sondern häufig offen dagegen rebellierten. . . .Aber es wurde doch unbedingt daran festgehalten, daß nur Mohamme-daner ins Heer aufgenommen wurden; Christen war der Kriegsdienststrenge verboten. Diese Maßregel hatte die gute Wirkung, daß demosmanischen Heer trotz der verschiedenen Nationalitäten, die ihm an-gehörten, sein einheitlicher Charakter bewahrt blieb. Der Islam warein starkes Band, das gegenüber allen etwaigen Verschiedenheiten undZwistigkeiten die Truppen eng zusammenhielt und ihnen den Charaktereines Glauhensheeres gab. Anderseits bedingte diese Maßregel eine äußerststarke Belastung der mohammedanischen Bevölkerung mit Militärdienst,und zwar vor allem der anatolischen Bauern, welche weitaus die größteLast des Militärdienstes zu tragen hatten. ... So war es nur eine Maß-regel der Gerechtigkeit, daß die jungtürkischen Führer nach der glück-lichen Durchführung der Revolution auch die christliche Bevölkerungzum Heeresdienst heranziehen wollten. ... Ja man war unvorsichtiggenug, die europäischen Rekruten, die zu einem großen Teil aus Serben,Bulgaren und Griechen bestanden, in der europäischen Türkei zu be-lassen, anstatt sie ins innerste Asien zu entsenden. So standen bei Be-ginn des Balkankrieges den Heeren der Verbündeten vielfach christlichetürkische Untertanen, Bulgaren, Serben und Griechen, gegenüber, dienatürlich die erste beste Gelegenheit wahrnahmen, zu ihren Landsleutenüberzugehen. . . .
So mannigfach, wie dieses Heer zusammengesetzt ist, so mannig-fach ist das es befehligende Offizierkorps. Man kann, ähnlich wie inFrankreich, zwei scharf geschiedene Klassen unterscheiden. Die einensind die aus dem Unteroffizierstand hervorgegangenen Truppenoffiziere.Es sind wohl tapfere, tüchtige Soldaten; allein ihre militärische Aus-bildung und Befähigung zum Truppenführer ist vielfach ungenügend. . .,Die andere Kategorie sind die modern geschulten Offiziere, die größten-teils den jungtürkischen Parteien verschiedener Färbung angehören. Siehaben ihre militärische Ausbildung zum Teil im Auslande erhalten; ein
1 Feste Stellung der Türken zum Schutze Konstantinopels.
2 Vgl. Anmerkung 2 auf S. 336.