35
8- 40. L. Die griechische Welt.
auf andere Stämme, bis zuletzt die Schwachem, sofem sie nicht dem Los derKnechtschaft verfallen wollten, sich zur Auswanderung entschlossen und über-seeische Ansiedelungen gründeten. Die folgenreichste dieser Wanderungen waroer Zug der Dorier nach dem PeloponneS unter der Leitung der Nach-kommen des Herakles (daher Rückkehr der Herakliden). Durch diese Be-gebenheit wurde der ganze Zustand deS Peloponnes geändert, indem statt derbisherigen ionischen und achäischen Bevölkerung das abgehärtete Bergvolkder Dorier die Herrschaft über die Halbinsel erlangte. Nur der nördlicheLandstrich, Achaja, und das mittlere Gebirgsland, Arkadien, behielten dieEen Bewohner. Die Dorier eroberten allmählich Argölis, Lakonien,Messenien, Sichon, Korinth und jenseits des Isthmus Megära. Siemachten sogar einen Einfall in Attika und bedrohten Athen, wurden jedoch hierdurch den Opfertod des athenischen Königs Kodrus zum Rückzüge genötigt,«in Orakelspruch hatte verkündigt, daß sich der Sieg auf die Seite wendenwürde, wo der König fiele. Als dies die Dorier hörten, verboten sie aufsstrengste, dem Kodrus irgend ein Leid zuzufügen. Da vertauschte der Athener,welcher von dem Götterspruch Kunde erhalten hatte, sein fürstliches Gewandem Hirtenkleid, schlich sich unerkannt in das feindliche Lager, fing hierabsichtlich Streit an und fand den Tod, den er suchte. Die Dorier, am Siegeverzweifelnd, ließen sofort von Athen ab und begnügten sich mit Megara; dreAthener erklärten aber, daß nach einem solchen Heldenkönig niemand mehrwürdig sei, die Krone zu tragen, und schafften die Königswürde in ihrer Stadtab. — Die alten Bewohner des Peloponnes hatten ein dreifaches Schicksal.Die kühnsten und kräftigsten wanderten aus und gründeten auf der WestküsteKleinasiens und aus den Inseln Chios, Lesvos, Samos u. a. O. die'Eschen Kolonieen, die bald durch die Fruchtbarkeit des Bodens, wie durch«chrffahrt, Handel und Gewerbfleiß zu einem Wohlstand und einer Kulturgelangten, welche das Mutterland verdunkeltm. Die Zurückgebliebenen unter-warfen sich entweder freiwillig dcn Doriern, dann wurden siezinspflichtiggemacht und von jedem Anteil an der Staatsverwaltung ausgeschlossen, be-hielten aber ihre persönliche Freiheit und ihr Eigentum, oder fie wurden mitden Waffen in der Hand zur Unterwerfung gezwungen, dann traten sie indas Verhältnis von Leibeigenen und Sklaven. Jene hießen in LakonienPeriöken (Landbewohner) oder Lacedämonier, im Gegensatz zu den dorischenSpartiaten; diese führten den Namen Heloten. In den andem Staaten,fst Argos, Korinth und Sichon wurden auch Wohl die edeln Geschlechter derAchäer zu gleichen Rechten in die dorische Gemeinde aufgenommen.
8- 40. Kolonieen. Die ionischen Kolonieen Vereinigten sich mit der Zeit zueurem Staatenbund von zwölf städtischen Gemeinwesen, worunter Milet, Ephe-sus mit dem berühmten Tempel der Artemis (Diana), Phokäa, Kolöphon unddas äolische Smyrna die wichtigsten waren. Sie hielten gemeinschaftliche Be-rathungen und festliche Versammlungen an dem Tempel des Poseidon aus dem Vor-gebirge Mykäle. Auch die zwölf äolischen Pflanzstädte nordwärts von Jonienund die sechs dorischen südwärts mit der Insel Rhodus hatten ähnliche Opser-gerneinschaften und jährliche Zusammenkünfte. Doch bildete jedes Stadtgebiet einselbständiges Gemeinwesen mit eigenen Gesetzen und Obrigkeiten. Unter den dori-schen Ansiedelungen war die Stadt Halikarnassus, der Geburtsort des Geschicht-schreibers Herod ot, am bedeutendsten. Im Lause der Zeit wurden teils von diesenKolonieen, teils von andern Auswanderern des Mutterlandes auch aus den Küsten-ländern des Hellespont (Dardanellen), der Propontis (des Marmara - Meers)und des Pontus Euxinus (des schwarzen Meers) neue griechische Niederlassungengegründet. Die wichtigsten darunter waren: das milefische Kyzlkos (Cyzicus) auf
S*
US4.
Sodrn»
»VS«.