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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
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62
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Geschichte der alten Welt.

z. 73. 74.

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Stifter des persischen Reichs als das Muster eines Regenten darstellte. Wahrheitund Dichtung enthaltend, bewegt sich das Buch auf schwankendem Boden. Es isteine Lobschrist der monarchischen Staatsordnung gegenüber der unruhigen Beweg-lichkeit einer Republik.

§. 73. Auch die Redekunst (Rhetorik) erlangte um diese Zeit in Athen ihrehöchste Ausbildung. War im Anfang die Beredsamkeit eine Gabe der Natur,ein angebornes Talent, so fing man nach dem peloponnesischen Krieg an, dieselbeals Kunst zu behandeln und Lehren und Regeln darüber aufzustellen. Es wurdenRednerschulen gegründet, wo die athenischen Jünglinge, die sich dem öffentlichenLeben, der Staatsverwaltung und dem Gerichtswesen widmen wollten, ihre Beleh-rung schöpften. Denn in einem demokratischen Gemeinwesen, wie das athenische war,konnte nur derjenige mit Erfolg wirken, der gut zu reden verstand. Unter den zehnattischen Rednern, die schriftliche Reden hinterlassen haben, nimmt zuerst Jso-krätes eine hervorragende Stelle ein, sowohl wegen der hohen Kunstfertigkeit undstilistischen Vollendung seiner eigenen Reden, als insonderheit wegen der großen° Wirksamkeit seiner Rednerschule. Des Jsokrates berühmtester Schüler war De-. mosthenes, der Von Jugend auf sein Ziel so fest im Auge hatte, daß er mit un-glaublicher Anstrengung gegen die Hindernisse seiner Natur ankämpfte, um sich zumRedner auszubilden. Keiner besaß wie er die Gabe, seine Zuhörer anzuregen, zufesseln und zu begeistern; Lebendigkeit des Vortrags, Abwechselung von Ernst undSpott, bittere Ausfälle und witzige Wendungen, alles diente ihm als Waffe. Dazukam der überwältigende Eindruck einer begeisterten Vaterlandsliebe und einer festenpolitischen Überzeugung. Am bedeutendsten sind die zwölf gegen Philipp von Mace-donien gerichteten Staatsreden (Philippica), worin er die Athener zur Bekämpfungdieses unternehmenden, auf den Üntergang Griechenlands sinnenden Königs, anzu-feuern suchte. Des Demosthenes' Nebenbuhler war der gleich große Redner Äschl-nes, der aber zu dem makedonischen König und seiner Partei hielt. Als nun einstdas athenische Volk dem Demosthenes für seine Verdienste um das Vaterland einengoldnen Kranz zuerkannte, suchte Äschines durch eine glänzende Rede diesen Beschlußrückgängig zu machen, indem er dessen Verdienste in Abrede stellte. Dies gab demDemostheneS Gelegenheit, in seiner unübertrefflichen Selbstverteidigungsrede „fürden Kranz" seinen Gegner so zu bemustern, daß dieser in Strafe verfiel und ausVerdruß nach Rhodus übersiedelte, wo er eine Rednerschule stiftete und seine letzteLebenszeit zubrachte.

tz. 74. Von Perikles' Zeit bis auf Alexanders Tod standen die bildendenKünste, wozu man Baukunst (Architektur), Bildhauerkunst (Plastik,Skulptur) und Malerei rechnet, in höchster Blüte. Das dem Griechen angeborene,durch die Umgebung genährte rege und tiefe Gefühl für Schönheit und der in-nere Trieb, diesem Gefühle äußere Gestaltung zu geben, bewirkte, daß die Kunst beiden Hellenen eine Bedeutung und Verbreitung erhielt und einen Höhepunkt derVollendung erreichte, wie vorher und nachher die Geschichte nie wieder etwas Ähn-liches auszuweisen hat. Die Kunst war in Griechenland mit dem ganzen Volkstumverwachsen; sie bildete einen Bestandteil des öffentlichen Lebens; Kunstsinn wareine allen Klassen gemeinsame Gabe. In der griechischen Baukunst herrschte vor-zugsweise Ebenmaß (Symmetrie) und Übereinstimmung aller Teile (Har-monie), so daß jedes Bauwerk ein schönes Ganze bildet. Ein Hauptbestandteilder griechischen öffentlichen Gebäude sind die Säulen, deren es drei besonders durchihre Kapitale (Knäufe) unterschiedene Ordnungen giebt: die kräftige schmucklosedorische, die schlanke ionische mit gelocktem Kapitäl und die reich verzierte korin-thische. Sie wurden vornehmlich bei den Eingängen der Tempel und bei Säulenhallenangebracht. Die Privatwohnungen der Griechen waren klein und unansehnlich, dahersich ihre Baukunst nur in öffentlichen Werken, vornehmlich in Tempeln und Thea-