226 Die neue Zeit. Z. 320. 321.
bete lutherische Bibel erschien vollständig im Jahr 1534, ein Meisterwerkdeutscher Sprache und deutschen Gemüts.
ß. 320. Bald drang die neue Lehre über die Grenzen des sächsischenLandes. Neben dem Kurfürsten von Sachsen war besonders der that-kräftige Landgraf Philipp von Hessen, der Gründer der Universität Mar-burg, ein eifriger Förderer des Evangeliums. Vor allen aber zeichnete sichder gebildete Bürgerstand der Reichsstädte durch Eifer aus. Oft stimmtedie versammelte Gemeinde aus eigenem Antriebe einen Psalm oder ein neuesKirchenlied an und gab dadurch Anlaß zur Abstellung der Messe. Wo mandem evangelisch gesinnten Volke die Kirchen versagte,' hielt es seine Andachtim Freien, auf Feldern und Wiesen; und wo die religiösen Beweggründe nichtmächtig genug wirkten, da half die Aussicht auf Kirchengüter und weltlicheVorteile.' Ganz Deutschland schien in die kirchliche Bewegung hineingerissenzu werden und eine von Rom unabhängige Nationalkirche daraus hervorzu-gehen. Aber der Papst gewann Ferdinand von Österreich, die Herzoge,824. von Bayern und mehrere süddeutsche Bischöfe zu dem Bündnis von Re-gensburg, worin sie sich gegenseitige Unterstützung und Ausschließung derWittenberger Neuerung von ihren Landen gelobten. So ward der Same einerunseligen Spaltung in Deutschland ausgestreut, gerade in dem Augenblicke,da die Freiheit und Unabhängigkeit der Nation das Streben ihrer edelstenGeister war.
b) Der Bauernkrieg (1525).
Z. 321. Der allgemeine Ruf nach Freiheit und Unabhängigkeit, der seitLuthers Auftreten durch ganz Deutschland erscholl, füllte den Bauernstandmit der Hoffnung, durch Selbsthilfe sein Los zu erleichtern, da Christus durchsein teures Blut ihn frei gemacht. So entstand der Bauernkrieg. Anfangsscheinen vaterländische Männer, wie Sickingen und Hütten, die Absichtgehabt zu haben, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen und mit demSchwerte Deutschlands Umgestaltung in Staat und Kirche durchzusetzen. Aber,8,s. Sickingens früher Tod bei der Belagerung seiner Burg Landstuhl und Hut-tens Flucht verzögerten den Ausbruch und raubten der Erhebung Plan undHaltung. Die schwärmerischen Reden des flüchtigen Wiedertäufers ThomasMünzer, der von Abstellung geistlicher und weltlicher Gewalt und von Auf-richtung eines himmlischen Reiches sprach, wo alle Menschen gleich sein undjeder Unterschied zwischen arm und reich, vornehm und gering verschwindensollte, verwirrten die Köpfe des aufgeregten Landvolks. Es wähAe nichtlange, so sammelte sich alles Volk vom Bodensee bis zur Dreisam um HansMüller von Bulgenbach, einen ehemaligen Soldaten. Mit rotem Mantelund rotem Barett zog er an der Spitze seiner Anhänger von Flecken zu Flecken,auf einem mit Laub und Bändern geschmückten Wagen ward die Haupt- undSturmfahne hinter ihm hergefahren. Sie führten zwölf Artikel mit sich,denen sie mit dem Schwerte Nachdruck zu geben bereit waren. Darin fordertensie Freiheit der Jagd, des Fischfangs, der Holzung und dergl., Aufhebung derLeibeigenschaft, der Frondienste und der Zehnten, das Wahlrecht ihrer Geist-lichen und die freie Predigt des Evangeliums.—Ihrem Beispiele folgten balddie Bauern im Odenwalde, am Neckar und in Franken unter der Leitungdes verwegenen Wirts Georg Metzler. Sie zwangen die Grafen von Hohen-lohe, Löwenstein, Wertheim, Gemmingen, den Vorsteher des deutschen Ordensin Mergentheim u. a., die Artikel anzunehmen und ihren Unterthanen die ge-orderten Rechte zu gestatten; wer ihnen zu widerstehen wagte, wie Graf Hel-enstein von Weinsberg, starb eines martervollen Todes. Sengend und»rennend durchzogen sie das Land, zerstörten Klöster und Burgen, nahmen