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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die neue Zeit.

Z. 334. 335.

surften und den Landgrafen wegen Hochverrats an Kaiser und Reich die Achtausgesprochen, Zeit, aus Italien Hilfstruppen herbeizuzi'eh n und in Jn-golstadt eine feste Stellung zu nehmen. Auch hier vergeudeten die Protestan-ten die Zeit mit kleinen fruchtlosen Gefechten, bis auch ncch die niederlän-dischen Truppen sich mit dem kaiserlichen Heer vereinigt hatten, und Karl im-stande war, angriffsweise zu verfahren. Er rückte in Schwaben ein, wohinihm das schmalkaldische Heer folgte. Die naßkalte Witterung erzeugte bei denspanischen und italienischen Truppen Krankheiten und ließ die Protestanten,die bei Giengen ein festes Lager bezogen hatten, bald einen günstigen Vertragerwarten, als die Nachricht, daß Moritz an seinen Freunden und Glaubens-genossen zum Verräter geworden und mit Heeresmacht in die Kurlande ein-gefallen fei, die ganze Sachlage änderte. Johann Friedrich eilte sogleich in seineStaaten zurück; bald zogen auch der Landgraf und die übrigen Führer heim,in kurzem war das ganze schmalkaldische Herr aufgelöst.

Z. 334. Nun stand dem Kaiser Süddeutschlaud offen. WohlmeinendeRatgeber suchten ihn zu bewegen, die Religion frei zu geben und dadurch alleStände wieder zur Ergebung und zum Gehorsam zu'bringen. Aber Karlwollte die Einheit der Kirche zurückführen und zugleich der kaiser-lichen Macht das alte Ansehen wieder verleihen. Darum stellte er andie süddeutschen Fürsten und Städte die Forderung, sich zu unterwerfen unddem schmalkaldischen Bunde zu entsagen. Die erschrockenen Reichsstädte kamender Aufforderung schnell nach. Ulm lieferte sein Geschütz aus und erkaufte dieGnade des Kaisers durch große Geldopfer, desgleichen -peilbronn. Eßlingen,Reutlingen u. a. O. Augsburg war mit Geschütz und Mundvorrat so Wohlversehen, daß Schärtlin dem Magistrat anbot, die Stadt Jahr und Tag zuhalten, bis sich das protestantische Deutschland erholt und neu gerüstet hätte;aber. der kleinmütige Rat der Kaufherren (besonders der Fugger) entschied fürdie Übergabe; mit der Stadt gewann der Kaiser das treffliche Geschütz undhohe Geldsummen; bald folgten auch Frankfurt und Straßburg. Der alteHerzog Ulrich von Württemberg demütigte sich, zahlte Brandschatzung undräumte seine wichtigsten Festungen den kaiserlichen Truppen ein. Der greiseKurfürst von Köln, vom Papste gebannt, von spanischen Truppen bedrohtund von seinen Ständen zuletzt verlassen, entsagte seiner Würde und machteeinem altgläubigen Nachfolger Platz, der den deutschen Gottesdienst schnellwieder durch die Messe verdrängte. Im Frühjahr 1547 war ganz Süddeutsch-land ohne Schwertstreich zum Gehorsam gebracht.

H. 335. Mittlerweile hatte Johann Friedrich Moritzens Truppen zu-rückgeschlagen, sein Land mit leichter Mühe wieder besetzt und den größten Teildes alberti'nischen Sachsen, bis auf Dresden und Leipzig, erobert. Überallbegrüßte ihn die protestantische Bevölkerung mit Jubel, und es wäre ihm nichtschwer gefallen, eine beträchtliche Streitmacht um sich zu sammeln und denFeinden der evangelischen Lehre die Spitze zu bieten. Allein Johann Friedrichwar kein unternehmender Mann und in seinem frommen Herzen war die Ehr-furcht gegen den Kaiser trotz der Acht noch nicht erloschen; er wies die ange-botene Hilfe zurück. In seiner Not rief Moritz den Beistand des Kaisers an-Dieser eilte ungeachtet seiner Gichtschmerzen mit seinem Heere nach Böhmenund zog dann vereint mit Moritz und Ferdinand seinem Feinde, der mit 6000Mann an der Elbe stand, entgegen. Bei der Annäherung des Kaisers wolltesich Johann Friedrich in das feste Wittenberg zurückziehen, bis er seine zer-streuten Heerabteilungen um sich gesammelt hätte; aber die kaiserliche, 27000Mann starke Armee setzte, von einem Bauer geführt, über die Elbe, überraschtean einem Sonntag Morgen, als der Kurfürst gerade dem Gottesdienst anwohnte,die im Abzug begriffene Reiterei desselben und gewann auf der Lochauer