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Die neue Zeit- Z. 389. 390.
Macht der Krone zu verstärken, und riet daher dem Könige, zu versuchen, ohneParlament zu regieren. Um das für die laufenden Ausgaben notwendige Geldzu erlangen, ließ die Regierung die bisherigen Steuern ohne ständische Be-willigung erheben, legte drückende indirekte Abgaben auf Licht, Wein, Sah,
Seife u. dgl. m., machte verjährte und vergessene Ansprüche der Krone, wie
das in frühern Jahren an die königliche Kasse einzuliefernde Schiffgeld, wie-der geltend. Zugleich suchte Karl das anglikanischeKirchenwesen festerzu begründen und die Puritaner und Presbyterianer, deren demokratischeGrundsätze sich immer mehr im Volke verbreiteten, zu unterdrücken. Dazu be-diente er sich des Bischofs Land von London, den er zum Erzbischof von Cgn-terbnry ernannte. Dieser ließ die Paulskirche neu weihen, bereicherte die Kir-chen mit Bildern und Schmuckwerk, den Gottesdienst mit Ceremonieen, ent-setzte die puritanischen Prediger ihrer Stellen und ließ durch den geistlichenGerichtshof der hohen Kommission und durch die Richter der Stern-kamm er schwere, entehrende Strafen über alle diejenigen aussprechen, welchegegen die bestehende Einrichtung ankämpften. So wurde Prhnn, ein purita-nischer Schriftsteller, zur Pranger-ausstellung, zum Verlust beider Ohren undzu ewiger Gefangenschaft verurteilt, weil er m einem dicken Buch Tanz, Mas-kenzüge und Schauspielwesen, woran der Hof Gefallen fand, verdammt hatte.
Z. 389. Diese Maßregeln, welche dre bürgerliche und kirchliche FreiheitEnglands zu vernichten drohten, riefen eine große Aufregung im ganzen Landehervor. John Hampden, ein besonnener, charakterfester Mann, verweigertedas Schiffgeld und führte vor Gericht seine Verteidigung so siegreich durch,daß das Unrecht der Regierung klar zu Tage kam. Die abgesetzten puritanischenPrediger z^gen im Lande umher, stellten Lands Schritte als den Anfang zurWiederherstellung des Katholizismus dar und streuten in leidenschaftlichen Re-den den Samen des Hasses gegen Hof und Geistlichkeit aus. Der König be-harrte jedoch auf seinen: Sinn, und ungewarnt durch die öffentliche Unzufrie-denheit in England beschloß er sogar, die bischöfliche Kirchenordnung und denanglikanischen Gottesdienst in dem glaubenseifrigen Schottland einzuführen.Als in der Domkirche zu Edinburg der erste Gottesdienst nach der neuen Formstattfinden sollte, entstand ein Tumult gegen die Errichtung des „Baaldieustes".Jul. Die Menge schrie: „Papst! Antichrist! steinigt ihn!" warf Stühle nach dem' Geistlichen und trieb ihn hinaus. Unter Fasten und Beten ward der alte BundlCovcnaut) „zur Beschützung der reinen Religion und Kirche gegen PapistischeIrrlehren und Verderbnisse" erneuert. Die Bischöfe wurden verjagt, der prcs-byterianische Gottesdienst wiederhergestellt und das Volk unter die Waffen ge-rufen. Da beschloß Karl mit Heeresmacht den Widerstand zu brechen; alleinseine Truppen wichen vor den glaubensstarken Schotten, die unter Psalmen-gesang und Gebet ins Feld rückten, ohnmächtig zurück ; die feindlichen Scharenüberschritten die englische Grenze — was blieb dem Könige anders übrig, alsi«»o. nach elfjähriger Unterbrechung ein Parlament einzuberufen und die Hilfe derNation in Anspruch zu nehmen?
8- 390. Diese Versammlungistinder Geschichte bekannt unter dem Namendes langen Parlaments. Die einflußreichsten Mitglieder und Redner, WieHampden, Hollis, Haslerig. Cromwell u. a., waren Gegner der unbe-schränkten Königsmacht und der bischöflichen Kirchengewalt; sie wollten Sicher-stellung der alten ständischen Rechte und religiöse Freiheit. Aber währendihres Kampfes gegen die monarchische und bischöfliche Allgewalt gerieten siein Zwiespalt; die heftigsten nahmen allmählich die demokratischen Ansichten derPuritaner an, und indem sie kirchliche und bürgerliche Freiheit vermischten,strebten sie nach einem Ziel. das nur in einem freien republikanischen Ge-