i. 443. 444.
Der siebenjährige Krieg.
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rückte Friedrich an die Oder, wurde aber in der blutigen Schlacht von Ktmers-dorf, nachdem er die Russen bereits siegreich zurückgeschlagen, durch die Öster-reicher unter dem geschickten Feldherrn Laudon so vollständig besiegt, daß er aneinem glücklichen Ausgang des Kriegs zu verzweifeln begann. „Alles ist ver-loren,"'schrieb er mit Bleistift an seinen Minister Finkenstein, „rette Er diekönigliche Familie. Adieu für immer!" Unter den Gefallenen befand sich derNatur- und Jdyllendichter Ewald v. Kleist, „ein Sänger und ein Held zu-gleich". Dresden und der größte Teil von Sachsen ging für die Preußen ver-loren. Aber die Uneinigkeit der Rufsen und Österreicher bewirkte, daß der Siegnicht gehörig benutzt wurde. — Glücklicher hatten indessen Friedrichs Verbün-dete unter Ferdinand von Braunschweia gegen die Franzosen gefochten.
Zwar hatte der Herzog von Broglie in der Schlacht von Bergen bei^MiFrankfurt a. M. die Oberhand behalten, aber Ferdinands Sieg bei Minden i. Aug.trieb das französische Heer über den Rhein zurück und rettete Westfalen undHannover.
ß. 443. (1760.) DerKrieg hatte das preußischeHeer bereits so geschwächt,daß der König nunmehr gegen seine Gewohnheit sich Verteidigungsweise ver-halten mußte. Zwar führte Friedrichs Name und die Gewandtheit seinerWerber aus allen Gauen Scharen von Rekruten zu den preußischen Fahnen;aber den Abgang waffenkundiger Offiziere und gedienter Soldaten konnten selbstFriedrichs hoheFeldherrngaben nicht ganz ersetzen. Zur Bestreitung der Kriegs-kosten mußte er zu den drückendsten Auflagen und zur Prägung geringhaltigerGeldmünzen feine Zuflucht nehmen. Während Friedrich in Sachsen weilte,erlitt der tapfere, dem König befreundete Fouquet in Schlesien eine Nieder- HA.läge, infolge deren die Österreicher das ganze Land besetzten. Da gab FriedrichSachsen preis, um Schlesien wieder zu gewmnen. Durch den Sieg bei Liegnitz Aug.an der Katzbach über Laudon erreichte er seinen Zweck; doch konnte er nichtverhindern, daß österreichische und russische Truppen in die Mark einbrachen,
Berlin besetzten und das Erbland des Königs mit Raub und Verwüstung heim-suchten. Nun nahm Daun eine feste Stellung auf einer Anhöhe unwert derElbe, um den Winter in Sachsen zuzubringen. Dres zu hintertreiben, wagteFriedrich den verwegenen Angriff auf Dauns Lager, obwohl vor den aufge-pflanzten Feuerschlünden die tapferen Krieger scharenweise hinstürzten. Durchden unter Zielens Beistand schwer errungenen Sieg bei Torgau gewann derPreußische König Sachsen wieder und konnte die Winterquartiere in Leipzigbeziehen; aber 14000 Streiter bedurften keiner Herberge mehr: Dauns Lager-stätte war ihre Grabstätte geworden.
8. 444. (1761—1763.) Im Jahre 1761 schien Friedrich den von allenSeiten auf ihn eindringenden Mißgeschicken erliegen zu Müssen, indem nichtnur die zahlreichen Feinde einen großen Teil seiner Lande besetzt hielten, son-dern auch England, nach GeorgsIII. Thronbesteigung, weitere Unterstützungversagte. Zwar widerstand Friedrich mit Kraft den andringenden feinden;aber seine Hoffnungslosigkeit und Schwermut gab sich in den Briefen anfeine Freunde und in seinen Gedichten kund; Schlesien schien an Österreich,Preußen an Rußland fallen zu müssen. — Allein als Friedrichs Not am ^ ^größten war, starb die Kaiserin Elisabeth, und ihr Neffe, Peter III., derwärmste Verehrer des preußischen Königs, bestieg den russischen Thron. DieserWechsel führte plötzlich einen Umschwung der Dinge herbei. Peter, ein gut-mütiger, aber unbesonnener und mit Übereilung handelnder Fürst, schloß so-gleich mit Friedrich II. einen Friedensvertrag und verband seine russische Ar-mee mit den Preußen. Dieses Verhältnis dauerte jedoch nicht lange. Peterbrachte durch unvorsichtige Neuerungen in Kirche und Staat und durch Um-
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