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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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335
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ä- 475. 476.

Die französische Revolution.

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» 78 ».

Mirabeau, welcher die Wirkungen der Siegelbriefe im Gefängnis zu Vin-^nnes an sich erfahren hatte. Von dem Adel zurückgewiesen, kaufte er einenDuchladen und trat als Bewerber für den dritten Stand auf. Damals warWecker der Held des Tages, aber er war nicht der Lenker des Staatsschiffes,wnderntrreb nur mit dem Winde".

L. Die Zeit der konstituierenden Versammlung (Mai 1789 bisSeptember 1791).

. §. 475. Anfangs Mai versammelten sich die Abgeordneten der drei Stände,

darunter die talentvollsten und gebildetsten Männer Frankreichs, in Versailles.

Der dritte Stand, vom Hof bei der Eröffnung und Audienz durch Zurück-setzung gekränkt, geriet schon in den ersten Sitzungen mit den zwei bevorrechte-ten Ständen in Zwiespalt, indem die letztern eine nach Ständen gesonderte Be-ratung verlangten, der Bürgerstand dagegen auf gemeinschaftliche Beratung» - Abstimmung nach Köpfen drang. Nach einem Streit von mehreren Wochen^klärte sich der dritte Stand, der den Astronomen Bailly, den freiheit- 3°»«-Ageisterten Abgeordneten von Paris, zum Präsidenten gewählt hatte, aber vonAn überlegenen Talenten eines Sikyes und Mirabeau geleitet wurde, zurNationalversammlung, worauf sich ein Teil der andern Stände mit jenempeinigte. Zugleich faßte die Versammlung den Beschluß, die Forterhebuugo^r bestehenden Steuern nur so lange gutzuheißen, als die Stände nicht auswgend einem Grunde aufgelöst würden. Diese Vorgänge beunruhigten denHos und gaben ihm den Gedanken ein, der Nation selbst eine Verfassung zuArlcihen und dadurch die Reichsstände entbehrlich zu machen. Zu dem Zweckwurde eine königliche Sitzung angeordnet und der Versammlungssaal aufsmige Tage geschlossen. Auf die Kunde davon begaben sich die AbgeordnetenW den leeren Saal des Ballhauses, eines zu Hoffesten bestimmten Gebäu- 3 u->i-As, und hoben dort die Hände zum feierlichen Eide empor, sich nicht zuAennen, bis sie dem Reiche eine neue Verfassung gegeben. Als auchWeser Saal geschlossen wurde, hielten sie eine Sitzung in der Ludwigskirche.

Am 23.Junr fand die königliche Sitzung statt. Allein die Rede des Königs,ivwie der Verfasfungsentwurf befriedigten nicht und wurden daher kalt auf-genommen. Nach Beendigung der Sitzung hieß Ludwig die Versammlung aus-Mandergehen. Der Adel und die Geistlichkeit gehorchten, aber der BürgerstandAueb unbeweglich sitzen, und als der Ceremonienmeister zum Gehorsam auf-ivrderte, ermähnte Graf Mirabeau die Versammlung an ihren Schwur undnach der geschichtlichen Tradition dem Hosbeamten zu:Sagen Sie IhremHerrn (mallre), daß wir hier find kraft der Gewalt des Volkes undgnß Man uns nur mit Bajonetten wegtreiben wird". Der schwacheAorng wagte nicht, dem entschlossenen Widerstand mit Gewalt zu begegnen, 27 . I,m.wlmehr riet er dem Adel und Klerus zu einer Vereinigung mit dem Bürgerftand.

- 8 - 476. Der Bastillensturm. Während dieser Vorgänge wurde die be-

wegliche Einwohnerschaft von Paris durch Zeitungen, Flugschriften und auf-wende Reden in beständiger Aufregung gehalten. Auf freien Plätzen, inKaffeehäusern, in Weinschenken, und namentlich im Palais-Royal, derWoh-ung des lasterhaften, ehrsüchtigen und reichen Herzogs von Orleans, wurdenon aufwieglerischen Volksführern (Demagogen) heftige Reden gehalten überKwksfreiheit, Menschenrechte, Gleichheit aller Stände, und die versammeltenScharen zur Erkämpfung derselben angefeuert. Unter diesen Volksrednern ragte.sonders der begabte, für Freiheit schwärmende Advokat Camille Desmou-hervor. Das in der Hauptstadt anwesende Militär wurde in die Begei-LAANg für Freiheit hineingerissen und trat zum Teil in die neuerrichtete^Urgerwehr (Nationalgarde) ; die Gemeindeverwaltung wurde einer demo-