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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.

Z. 482.

bekannten Herzogs Ferdinand von Braunschwelg in Lothringen ein. Einösterreichisches Heer unter Clerfait war ihm untergeordnet und 12 000 Enn-granten, die sich anschlössen, brannten vor Begierde, dasAdvokatenregimentzu stürzen und Rache an ihren Widersachern zu nehmen. Bei seinem Aufbrucherließ der Herzog ein von den Emigranten entworfenes Kriegsmanifest vollbeleidigender Drohungen gegen die Nationalversammlung, die Stadt Paris,die Nationalgarde und alle der Neuerung ergebenen Franzosen. Der über-mütige Ton dieses Manifestes machte auf das für die neue Ordnung begei-sterte, für Freiheit schwärmende Volk einen unbeschreiblichen Eindruck und

erzeugte den furchtbarsten Grimm gegen die Emigranten und deren Schützer.Diese Stimmung benutzten die Jakobiner zum Sturze des Königs. Gestütztauf die Erklärung der Nationalversammlung:das Vaterland sei in Ge-fahr", hatten sie zur Feier des zweitenBastillenfestesausMarseille, Brest undandern Seestädten Scharen des verworfensten Pöbels, selbst Galeerensklavennach Paris berufen. Nun errichteten sie ein Aufstandscomitü und bearbei-teten die rohen und handfesten Bewohner der Vorstädte für einen entscheiden-den Schlag. Am 10. August erschallte um Mitternacht die Sturmglocke. Einefurchtbare Volksmasse bewegte sich zuerst gegen das Rathaus, um eine neuedemokratische Munizipälverwaltung einzusetzen, und zog dann vor daskönigliche Schloß, das von 900 Schweizern und von der Pariser Nationalgardeunter Mandats Anführung verteidigt wurde. Der rechtliche Mandat warentschlossen, die immer drohender anrückende Masse mit Gewalt abzuhalten,deswegen sannen die Demokraten auf seinen Untergang. Er wurde auf dasRathaus beschicken und auf dem Wege ermordet, worauf die Nationalgarde,ungewiß, was zu thun, und verstimmt über die vielen im Schlosse anwesendenEdelleute, sich größtenteils zerstreute. Immer drohender wurde die Volks-menge; Kanonen waren auf das Schloß gerichtet; die Pikenmänner drangenzu allen Eingängen ein; laut verlangte das Volk die Entsetzung des Königs.Da ließ sich Ludwig bereden, mit seiner Familie in dem Sitzungssaal der Na-tionalversammlung Schutz zu suchen, wo sie sechzehn Stunden in einer engenSeitenloge zubrachten. Kaum hatte der König das Schloß verlassen, so drangdie wogende Menge heftiger vor; die Schweizergarde leistete tapfern Widerstandund wahrte die Gingänge. Als man das Gewehrfeuer in der nahen Versamm-lung hörte, zwangen die erzürnten Volksvertreter den eingeschüchterten König,seiner Garde das Feuern zu untersagen. Dadurch wurden die treuen Beschützerdes Monarchen dem Untergänge geweiht. Kaum merkte die tobende Mäste,daß die feindlichen Gewehre ruhten, so erstürmte sie das Schloß, mordete dieAnwesenden und zerstörte allen Hausrat. Gegen 5000 Menschen, darunter700 Schweizer, blieben im Kampfe oder fielen nachher als Opfer der Volkswut.Mittlerweile faßte die Nationalversammlung auf Vergniauds Antrag den Be-schluß:die königlicheGewalt zu suspendieren, denKönig mit seinerFamilie unter Aufsicht zu stellen, dem Prinzen einen Erzieher zugeben und einen Nationalkonvent einzuberufen." Bald umfing derTempel, ein von den Tempelherren erbautes festes Schloß, die königliche Fa-milie als Gefangene. Von den Wächtern geschmäht und gekränkt, jeder Be-quemlichkeit des Lebens beraubt und von allem Verkehr abgeschnitten, verlebtesie hier kummervolle Tage, bis der Tod sie erlöste.

8- 482. Die Septembertage. Nach der Suspension des Königs wurdevon der Nationalversammlung ein neues Ministerium eingesetzt, worin nebenden Girondisten (Roland u.a.) der furchtbare Danton als Justizminister undSiegelbewahrer eine Stelle hatte. Dieser und der neue Gemernderat vonParis, der sich selbst eingesetzt und nach dem 10. August mit zuverlässigen.