Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
393
JPEG-Download
 

849.

Großbritannien.

393

Hofhaltung und übergroßen Besoldungen, vermehrte die Staatsausgaben der-maßen, daß nur durch die stets zunehmende Besteuerung der Handelsartikel,Lebensrnittel, Einkünfte (Einkommensteuer), Häuser und Grundbesitzungen dienötigen Summen aufgebracht werden konnten. Dies führte die Verarmungoes kleinen Landeigentümers und der Gewerbsleute von geringem Kapital her-bei. Der Grundbesitz kam ausschließlich in die Hände begüterter Edelleute, dieburch gesteigerten Pachtzins und durch Erwirkung von Korngesetzen gegenöle Einfuhr fremden Getreides ihre Einkünfte zu mehren wußten; die Industrieüel den reichen Fabrikherren anheim, die durch Ausdehnung des Geschäfts dieWeniger Bemittelten überflügelten; der bürgerliche Mittelstand nahm ab,während die Zahl der Fabrikarbeiter, die von der Hand zum Munde leben,W auf bedenkliche Weise mehrte. Schwere, den Gemeinden auferlegteArmen-ikeuern und zeitweise Zuschüsse der Regierung vermochten dem Elend nicht zuwehren. Von Not und Mangel getrieben, versuchten die Proletarier wieder-holt durch Aufstände sich eine bessere Lage zu erkämpfen, aber ihr ungesetzlichesbeginnen schlug jedesmal zu ihrem Schaden aus. Leicht wurde der wehrloseHaufen von der Militärmacht zu Paaren getrieben; die blutige Züchtigungoer Insurgenten zu Manchester hat jedoch der Regierung harten Tadel^gezogen. Bald strebten die untern Volksklassen auch nach politischem Ein-fluß. Um auf die Gesetzgebung einzuwirken, drangen sie auf allgemeines Wahl-recht (ohne Census), auf jährliche Parlamente, auf geheime Abstimmungu. dgl. m. Sie legten ihre Grundsätze in einer Volkscharte nieder, wovon sieden Namen Chartisten erhielten. Ihrer Einwirkung ist die Milderung derKorngesetze, wodurch die Einfuhr fremden Getreides erleichtert ward, zuzu-schreiben (1842).

8- 549. 2) Nach den schweren Kämpfen gegen Napoleon trat in EnglandAustand der Erschlaffung ein- Der in Lüsten und Genüssen versunkeneMnig Georg IV., welcher in seiner Jugend mit der Opposition gegangen,schenkte sein Vertrauen den kalten, in Pitts Staatsweisheit ergrauten Toriesund wendete Augen und Herz von seinem Volke ab. Dieses löhnte ihm mitAbneigung und Haß, besonders als er das erste Jahr seiner selbständigen Ne-uerung durch einen ärgerlichen Ehescheidungsprozeß vor dem OberhauseUgen seine Gemahlin Käroline von Braunschweig, die in unfreiwilliger Tren-nung von ihm lebte, denkwürdig machte. Als die Königin im nächsten Jahrestarb, folgte ihr die Teilnahme und das Mitleid der ganzen Nation ins Grab.so Wenig auch ihre Sitten und ihre Lebensweise zu rühmen waren. Castle-*?agh (Lord Londonderrh), der langjährige Genosse Georgs und der Trägereiner falschen, treulosen Politik, gab sich in einem Anfall von Schwermut selbst?en Tod. Dies erschütterte den König, auf dem so manche Jugendsünde lastete,fw höchsten Grad und machte ihn menschenscheu. In düsterer Zurückgezogenheit^brachte er die letzten Jahre seines Lebens, während welcher der große Staats-Wann Canning, der sich den Grundsätzen der Whigs näherte, dem englischenZuselreiche wieder seinen frühern Vorrang verschaffte. Da Georgs IV. einzigeTochter, die geistreiche und liebenswürdige Prinzessin Charlotte (mit Leo-bold von Koburg, dem nachmaligen König der Belgier, vermählt), jungM ohne Kinder gestorben war, bestieg nach deS Königs Tod sein Bruder^lhelm IV., ein schlichter, gerader Mann, den Thron. Unter ihm bekamen^ne Whigs unter Führung von John Russell, Brougham, Palmerstona. die Leitung der Regierungsgeschäfte in die Hände, und die wichtige, nachoen heftigsten Kämpfen durchgesetzte Parlaments-Reform, wodurch den»verrotteten Flecken" ihr bisheriges Privilegium entrissen, die Parlaments-"nhlen nach der Zahl der Bevölkerung neu geordnet und das Wahlrecht von

1810.

Hos u. Re-gierung.

Georg IV.182»-

1880.

12. Aug.1822.

26. Juni183«.

Wilhelm

IV.

188»-

188!.

1. Miirz1881.