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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.
Z. 560.
1830.
NovLr.
18SO.
Juni
18S1.
Derbr.
1832.
18S«.
ficht protestantischer Staatsbehörden. Und als sich die Presse einen feindseligenTon gegen die Regierung erlaubte, wurde mit Geldbußen, Haft und Verban-nung gegen die Zeitungsschreiber eingeschritten. Da schloß die französischeliberale Partei, die aus ein freies Staatsleben hinstrebte und mit den Häup-tern der Pariser Opposition in Verbindung stand, mit der katholisch-ultra-montanen Partei, welche Freiheit des Unterrichts verlangte, ein Bünd-nis gegen die holländische Regierung, das der König in einer Thronrede als„infam" bezeichnete. Die dadurch herbeigeführte Mißstimmung hatte bereitsden höchsten Grad erreicht, als die Nachricht von den Julivorgängen in Brüsseleintraf und das ganze Land in Flammen setzte. Am Abend des 25. August,nach Aufführung der Oper: „die Stumme von Portici", zerstörten Volkshau-sen die Druckerei einer im holländischen Sinne geführten Zeitung, den Palastdes Justizministers, die Wohnung des Polizeidirektors u. a. Um den weitemVerwüstungen des Pöbels Einhalt zu thun, bildete sich eine Bürgergardeund ein Bürgerausschuß, bis die radikale und ultramontane Partei stck>über einen Nationalkongreß unter Potters Leitung vereinigten. Das Ver-spiel der Hauptstadt fand Nachahmung, so daß in kurzem in ganz Belgien dreBrabanter Fahne wehte. Ein Angriff der Holländer aus Brüssel wurde zurück-geworfen, und die belgischen Insurgenten rückten jetzt sogar auf Antwerpenlos, um auch diese Stadt dem verhaßten Nachbar zu entreißen. Da zog srwder holländische General Chassä in die feste Citadelle zurück und beschoß aus300 Kanonenschlünden sieben Stunden lang die unglücklrche Stadt, wobei großeWarenvorräte von hohem Wert zugrunde gingen. Empört über dieses Verfah-ren, sprach nunmehr der Nationalkongreß die Unabhängigkeit Belgiensund die Ausschließung des Hauses Oranien vom belgischen Throneaus. Während der Krieg zwischen Holland und Belgien fortdauerte, tratendie fünf Hauptmächte in London zu einer Konferenz zusammen. Hier kamman nach langen diplomatischen Verhandlungen zu dem Entschluß, Belgien vonHolland zu trennen und die Grenzen auf eine billige Weise zu ordnen. Dern-gemäß erhielt der dem englischen Königshause verwandte und bald nachher miteiner Tochter Ludwig Philipps in zweiter Ehe vermählte Leopold von Sach-sen-Koburg die belgische Krone und suchte die Liberalen durch Verleihungeiner freisinnigen Repräsentativ-Verfassung und die katholische Geistlich'keit durch völlige Unabhängigkeit der Kirche vom Staat zu versöhnen, llin-sonst versuchten die Holländer abermals, die Abgefallenen mit Gewalt zur Un-terwerfung zu zwingen. Von den Franzosen und Engländern bedroht undbekämpft, mußten sie, trotz der Tapferkeit des Landheeres und des Mutes derSeemannschaft, vom wettern Kriege abstehen. Belgien aber blühte von der Zman durch freie Einrichtungen, wie durch schwungreiche Industrie fröhlich auf-Z. 560. Der glückliche Ausgang der französischen und belgischen Revolu-tion trieb auch die Polen zum Aufstand. Durch den Wiener Kongreß zu einemKönigreich erhoben und der Herrschaft des Kaisers von Rußland unterstellewar Polen in einer bessern Lage, als unter der alten Anarchie. Die Konstitu-tion mit Reichstagen und einer Nationalbewaffnung gewährte dem Volke ewegeordnete Freiheit, die Industrie kam in Aufschwung, die Litteratur hob stAgangbare Heerstraßen erleichterten den Verkehr. Aber alle diese Vorteile, diefreilich durch die herrische Natur des Vizekönigs Konstantin manche Beein-trächtigung erfuhren, waren nicht imstande, den Gedanken an Wiederbelebungdes Vaterlandes in den Polen zu unterdrücken; und die Hoffnung, daß dufranzösische Nation nicht unterlassen würde, den alten Bundesgenossen zu HEzu eilen, bestärkte sie in dem Glauben, daß der Augenblick der Wiedergeburtdes alten Polenreichs gekommen sei. Es war am 29. November abends seH"