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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
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I. Die Ereignisse der fünfziger und sechziger Jahre.

1. Die Westmächte und Nußland.

Z. 577. Das zweite französische Kaisertum. Die Errichtung desneuen Kaisertums in Frankreich erfüllte die reaktionäre und konservative Par-tei in Europa mit neuer Zuversicht. Die Furcht vor der Revolution schien da-durch aus längere Zeit beseitigt, und die vornehme Welt konnte sich wieder ohneScheu den gesellschaftlichen Freuden und Genüssen hingeben. Zurückhaltenderbenahmen sich anfangs die Regierungen, indem sie besorgten, der dritte Napo-leon würde, wie in der inneren Organisation und Regierungsweise, so auch inder äußeren Politik die Wege des Oheims einschlagen, drenapoleonischenIdecen" und Traditionen, die er früher in mehreren Schriftstücken als dieStandarte der fortschrittlichen Entwickelung der Welt kund gegeben, aufs neuebeleben. Doch gaben sie sich mehr und mehr dem frohen Glauben hin, daß dievon ihm ausgesprochene Parole:Das Kaisertum ist der Friede" ein Wahr-spruch sei. Reifer an Jahren als der große Oheim auf seiner Höhe, hat derNeffe allerdings den stürmischen Gang desselben gemieden, und die schwereLebensschule, in die ihn das Schicksal schon in der Jugend geführt, hat ihnfrühe gewöhnt, seine Leidenschaften zu zähmen und zu beherrschen, seine Ge-

ernNapoleon des Friedens", wie sein Vorgänger Ludwig Philipp sich gernHennen hörte, wollte er doch nicht werden. Diegroße Nation" hatte sich inchrem Stolze gekränkt gefühlt, daß sie auf die Geschicke Europas, auf den ge-schichtlichen Weltgang nicht mehr, wie in den glorreichen Tagen der Vergangen-heit, den entscheidenden Einfluß üben, den bewegenden Impuls geben, das ge-bietende Wort reden sollte. Diesem nationalen Selbstgefühl kam Napoleonfordernd entgegen. Indem er dem ritterlichen und militärischen Charakter, derM in der Natur des französischen Volkes wurzelt, Raum und Gelegenheit zurEntfaltung gab und der Ruhm- und Ehrliebe, samt ihrer Gefährtin, der Eitel-keit, Rechnung trug, erweckte er die schlummernden Sympathieen für die bona-fnrtistische Dynastie, befestigte seinen Thron und gab den unruhigen und gären-den Kräften eine Ableitung nach außen. Als die alten Fürstengeschlechter Ve-oenken trugen, in verwandtschaftliche Verbindung mit dem neuen Herrscher zuMen, reichte Napoleon der schönen Spanierin aus edlem Geschlechte, Eugenie^tontijo, Herzogin von Theba, die Hand zum Ehebund, wobei er im stolzenSelbstgefühl sich als einen von der Nation zum Souverän gewähltenPar-bezeichnete im Gegensatz zu den legitimen Regentenvon Gottes Gna-An - Wie sehr er dadurch sich die Gunst und den Beifall des Volkes gewann,.Wte die allgemeine Freude bei dem Vermählungsfest und drei Jahre nachher 's,. der Geburt eines Prinzen. Dem neuen Grundsatz von der Selbstbe-'Mmung der Völker, wonach bei dem Wechsel einer Herrschaft der Wille^ Volkes durch Abstimmung erforscht werden sollte, suchte Napoleon auch

^°ber, kl. Weltgeschichte.

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