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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die Gründung des Königreichs Italien.

auszusprechen und sich an Sardinien anzuschließen. Selbst Bologna entzogsich der päpstlichen Herrschaft und rief den Schutz Viktor Emanuels an. ImMärz 1860 erfolgten die Volksabstimmungen, kraft deren Savohen und Nizzasich für den Anschluß an Frankreich, Toskana, Parma, Modena und die römi-schen Legationen für die Einverleibung in das Königreich Sardinien ausspra-chen. Weder die Protestationen der Schweiz gegen die Abtretung der Land-schaften am Südufer des Genfer Seees, noch der Bannstrahl des Papstesvermochten den Gang der Dinge aufzuhalten. Statt des in Villafranca inAussicht genommenen italienischen Staatenbundes kam innerhalb eines Jahresdas Königreich Italien zustande.

Z. 600. Garibaldi. Schon lange hatte sich in den gebildeten Klassender Halbinsel die Überzeugung Bahn gebrochen, daß nur durch ein einheitlichesItalien im Anschluß an die konstitutionelle Monarchie Sardiniens ein wür-diger politischer Zustand geschaffen werden könne. Um diesen Zweck zu erreichen,verbanden sich die nationalen und die revolutionären Kräfte zu gemeinsamemHandeln. Da das Gebiet von Rom durch die französischen Okknpationstruppengegen feindliche Angriffe geschützt war, so wurde das Königreich Neapel undSicilien, wo kurz zuvor dem König Ferdinand II., dem unversöhnlichen Feinde nand ä.des Fortschritts und der liberalen Zeitideeen, sein junger, einseitig erzogener rund in den Regierungsgeschäften unerfahrener Sohn Franz II. auf dem Throngefolgt war, zum Schauplatz der Aktion ausersehen. Es war ein kühnes Unter-fangen, ein Königreich anzugreifen, das über ein gut organisiertes, mit beson-derer Vorliebe gepflegtes Heer von 150000 Mann zu gebieten hatte. Aberdie Tyrannei der Regierung, die hartnäckig alle Reformen verweigerte, hatteden geheimen Gesellschaften den Boden bereitet, und der Abzug der SchweizerSöldnertruppen beraubte den Thron seiner stärksten Stützen in einem Augen-blick, da die Genossen Mazzinis und Garibaldis sich zu einem Hauptschlagedie Hände reichten. Anfang April wurde die Losung zum Kampfe gegeben. i««o.Einzelne Aufstände in Messina und Palermo bildeten das Vorspiel. ImMai landete Garibaldi mit etwa tausend Bewaffneten bei Marsäla, an derWestküste Sinkens. Nachdem er die zerstreuten Freischaren um sich gesammeltund sich im Namen Viktor Emanuels, Königs von Italien, die Diktatur überSicilien beigelegt, rückte er auf die Hauptstadt Palermo los. Die Bevölkerungerhob sich in Masse und unterstützte durch Barrikaden und Straßenkämpfedie stürmenden Patrioten. Der Befehlshaber der Citadelle, General Lanza,eröffnete ein heftiges Geschützfeuer, wodurch ein Teil der Stadt zerstört ward,willigte aber bald, unter Vermittelung des englischen Admirals, in einen Ver-trag, kraft dessen er gegen freien Abzug Palermo den Insurgenten und Frei-willigen überließ. Diese Ereignisse waren von unberechenbarer Wirkung. Sieerschütterten die Monarchie in ihren Grundfesten, während sie den RuhmGaribaldis in alle Welt trugen. Die glühende Phantasie, der Südländererblickte in ihm den Nationalhelden, vor dem alle Feinde in Staub sinkenwüßten. Und selbst am neapolitanischen Hofe schien man unter dem Bannedieser Vorstellung zu liegen! Umsonst suchte der König seinen wankendenThron mit neuen Stützen zu umgeben, indem er die von seinem Vater zuerstGeschworene, dann beseitigte Verfassung herstellte, sich mit einem liberalenMinisterium umgab und seinen Entschluß erklärte, eine Amnestie zu erteilenund mit Sardinien eine Allianz zu schließen; das verhängnisvolleZu spät!"übte wieder seine Macht: der Proklamation folgten Ausstände und Anarchiew Stadt und Land. Es bedurfte nur der Ankunft Garibaldis, um den Kriegs-brand in helle Flammen zu setzen. Und dieser ließ nicht allzulange auf sichwarten. Sechs Wochen nach der Einnahme von Palermo brach derDiktator" is. Jun.

Weber, kl. Weltgeschichte. 30