Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
471
JPEG-Download
 

8 - 604 .

Die außereuropäischen Staaten. Nordamerika.

471

ernen Punkte, in der Sklavenfrage, ließen sie sich auf keinerlei Zugeständnisseoder Unterhandlungen ein. Hier standen alle für einen; hier verteidigten siedie Grenzlinie mit fanatischer Heftigkeit, weil sie richtig erkannten, daß hierjedes Nachgeben eine Niederlage ihres Prinzips zur Folge haben würde. Manführte lange nur Scheingefechte um die Außenwerke: endlich erfolgte der An-griff auf das Bollwerk selbst, auf die feste Burg, m welcher die Quelle desReichtums, der goldene Zauberbrunnen verschlossen war.Schon längst hattesich eine Partei gebildet, welche die Aufhebung der Sklaverei in Amerika aufshre Fahne schrieb, und mit allen Mitteln, in der Presse, auf der Kanzel, inöffentlichen Reden, ihre Grundsätze zu verbreiten suchte. Ihr Stammsitz warBoston, die Metropole der Freiheit und Intelligenz. Ihre Zahl und mo-wlische Macht steigerte sich mit jedem Jahre durch die Einwanderungen ausEuropa. Denn wie verschiedenartig auch die der neuen Welt zuströmende Be-völkerung an Bildungsstand, Ansichten und gesellschaftlicher Stellung seinMochte; Anhänger und Verfechter der Sklaverei mögen sich nur wenige unterihnen befunden haben ; solche Einrichtungen waren längst in Europa, nament-lich in Deutschland, durch die öffentliche Meinung mit dem Fluche der Ver-dammung belegt worden; durch die Litteratur der Humanität, durch die geistigeMacht der Philosophie, durch höhere religiöse Anschauungen war der Begriffvon einer Gesamtmenschheit, von einem Menschengeschlecht, das alle Rassenumfaßte, als ein unumstößlicher Glaubenssatz in alle Klassen eingedrungen.An diesen Einwanderern hatte die Partei der Abolitionisten ebenso eifrigeFörderer ihrer Sache wie die Sklavenhalter Gegner. Es war daher eine rich-tige Politik der Männer des Südens, wenn sie durch ihre Schildknappen imNorden, die demokratischenKnownothings", der Aufnahme der Fremden indas Bürgerrecht entgegenarbeiteten. Je heftiger aber die Angriffe wurden, jeleidenschaftlicher sich der Kampf gestaltete, desto hartnäckiger beharrte derSüden auf dem, was er sein Recht und sein Eigentum nannte. Man setztedem Drängen der Abolitionisten einen Terrorismus entgegen, der sich zu rohenGewaltthaten verstieg. Seit durch dieKansas-Neoraska-Bill" vom24. Mai 1854 dasMissouri-Kompromiß" aufgehoben und der Grundsatzaufgestellt wurde, daß auch in den Territorien, d. h. in den erst in Zukunftzu bildenden Staaten der Union, die Zulassung oder Ausschließung der Skla-verei von der Abstimmung der Bewohner abhängen solle , war das Land amMissouri der Schauplatz heftigerKämpfe und feindlicher Überfälle zwischen denSklavenhaltern und den Freibodenmännern.

8- 604. Der Bürgerkrieg. In der Kansas-Nebraska-Bill feiertemdes der Süden seinen letzten Triumph. Bei der neuen Präsidentenwahlstrengten die Republikaner alle Kräfte an, um einen Mann ihrer Partei an dieSpitze des Staats zu bringen. Ihre Bemühungen wurden mit Erfolg gekrönt:Abraham Lincoln, der Kandidat des Nordens, erhielt die Mehrheit derStimmen. Mit diesem scheinbar unwichtigen Ereignis beginnt eine neuePeriode in dem geschichtlichen Leben Nordamerikas. Unter den bisherigenKämpfen hatte dre Leidenschaft und Parteiwut eine Höhe erreicht, daß imSüden der Entschluß reifte, aus der Union auszutreten und einen Sonder-kvngreß in Richmond zu bilden. Nach südstaatlicher Darstellung und Erklä-rung der Verfassungsurkunde war die nordamerikanische Union ein freier Vereinselbständiger Staaten, der zum Zweck hatte:die gemeinsame Verteidigung,die Sicherstellung der Rechte und die Beförderung der Wohlfahrt sowohl der ein-

1860