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Geschichtliche Rundschau.
reichen Rundschreiben dem Auslande verkündigt hatte. Während nun die gesetz-gebende Versammlung ans Werk ging, um das alte monarchische Spanien in eineFöderativrepublik mit dreizehn Bundesstaatm im Sinne populärer Selbstverwaltungumzugestalten, trieb das Land in Wirklichkeit einer vollständigen Anarchie zu, gegenwelche die Regierung keine hinlänglichen Verteidigungsmittel besaß. Und nun hieltder Prätendent Don Karlos, der seit einiger Zeit unter den Augen der französischenBehörden sich zum Kriege gerüstet und Geld gesammelt hatte, mit großem Gefolge^mg Karl VII. seinen Einzug in die nördlichen Gebirgslandschaften, kündigtedurch eine Proklamation seinen Regierungsantritt an und forderte alle Spanier zurUnterwerfung auf. Bald zählte er in Navarra, Biscaya, Aragon, Katalonien eineArmee von 12 000 Mann, an ihrer Spitze berüchtigte Bandenführer, wie Dorregaray,Elio und der papistische Haudegen Saballs oder fanatische Priester, wie der ver-schlagene erbarmungslose Santa Cruz. Die baskische Bevölkerung der Pyrenäen,seit mehreren Jahrzehnten im Bürgerkrieg verwildert und von Abenteurern undfahrenden Leutm aller Nationen verstärkt, ließ sich als Werkzeug gebrauchen imDienste einer grausamen Reaktion und einer verfolgungssüchtigen Religionswut.Von ultramontanen Parteigängern in England und anderwärts mit Gelddarlehenunterstützt, durch die Begünstigung und Nachsicht der französischen Regierung mitWaffen und Vorräten versehen, führten nun die Karlisten gegen das republikanischeSpanien einen greuelvollen Bürgerkrieg, welcher dem civilifierten Zeitalter zurSchmach und Schande gereichte. — Nicht minder stark und unbezwinglich war derWiderstand, welcher der Regierung im Süden und in allen volkreichen Küstenstädtenentgegentrat. Die föderative Republik, für welche sich die Kortes ausgesprochen, stiegden Spaniern zu Kops; in dm unterm Volksklassen dachte man sich unter dem wmigverstandmen Namen einen Zustand von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, den An-fang eines goldmen Zeitalters mit Gütergemeinschaft und Verteilung des Grund-besitzes. Die heißblütige Bevölkerung der südlichen und östlichen Seestädte nahmdaher die föderalistischen Jnstitutionm, die erst verfassungsmäßig eingeführt werdmsollten, vorweg und konstituierte sich unabhängig von der Madrider Regierung. InCadix, in Malaga, in Cartagena, in Barcelona bemächtigte sich die untere Volks-masse des Regiments, nicht ohne Gewaltthätigkeiten gegen Leben und Eigentum.Die „Internationale" schürte die Flamme, indem sie zu der politischen Erregungnoch socialistische Doktrinen hinzufügte. Castelars Jdealrepublik, eine Kopie dernordamerikanischen Union mit Menschenrechten, mit Religions-, Lehr- und Preß-freiheit, mit allen weltbeglückenden Gütern des liberalen Zeitgeistes, nahm bald dieZüge eines häßlichen, abschreckenden Zerrbildes an. Das Ministerium stand diesenVorgängen ohnmächtig gegenüber: man ließ die radikale Demokratie längere Zeitruhig ihr Wesm treiben. Als aber im Nordm die Karlisten immer mehr Boden ge-wannen, in den Städten des Südens, in Sevilla, Cadix, Granada die rote Republikmit Wohlfahrtsausschuß und dem ganzen kommunistischen Terrorismus immer grellerhervortrat, da war die Regierung genötigt zur Rettung des Landes, zum Schutze vonLeben und Eigentum alle Kräfte, die ihr zur Verfügung standen, zusammenzuraffen.Nicht nur daß die Einführung der föderalistisch-republikanischen Bundesverfassungvorerst unterblieb und der spanische Einheitsstaat festgehalten ward; durch die Ver-einigung der Regierung und der gemäßigten und konservativen Elemente in derNationalversammlung wurde das Ministerium ermächtigt, in den aufständischen Pro-vinzen und Städten den Kriegszustand zu verhängen. Nach manchen stürmischenVerhandlungen trugen die Anhänger des Einheitsstaats den Sieg davon. Salmerontrat aufs neue an die Spitze der Regierung und dank den energischen militärischenMaßregeln gelang es ihm, in den meisten Städten der republikanischen ErhebungenMeister zu werden. Nur in Cartagena, wohin sich alle „Jntransigentes" oder Un-versöhnlichen gezogen, wurde die Fahne der Föderativrepublik hochgehalten und unter