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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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575
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Z. 659. Der Gang des geschichtlichen Lebens seit dem Frankfurter Frieden. 575

Führung eines Wohlfahrtsausschusses der revolutionäre Widerstand bis zum Bürger-krieg organisiert. Castelar selbst überzeugte sich nun, daß ohne eine feste Cmtral-regierung das spanische Reich aus den Fugen gehen würde. Er übernahm aufs neuedm Vorsitz im Ministerium, und von den Kortes mit fast diktatorischen Vollmachtenausgerüstet, trat er den Insurgenten mit der ganzen Staatsgewalt entgegen, diePrinzipien von freiwilliger Volkswehr und republikanischer Selbstregierung wie eineteure Jugendliebe im Herzen verschließend. So erlangten denn dieCentralisten"nach und nach die Oberhand über dieFöderalisten". Aber noch lange hielten dieJntransigenten", dierote Demagogie", dm Süden der Halbinsel in Gärung,während im Norden die Karlisten, dieweiße Demagogie", unter heimlicher Be-günstigung der Monarchisten Frankreichs immer mehr Boden gewannen. Der republi-kanische General Moriones vermochte nur mühsam den Feind von weiterem Vor-dringen abzuhalten. Um die Verwirrung in Spanien und die Verlegmheit derMadrider Regierung zu vermehren, pflanzten auch die Cubaner, welche durch dasvon dm Kortes beschlossene Gesetz über Freilassung der Sklavm in ihrem Wohlstandsich gefährdet sahen, die Fahne der Empörung aus, um die große reiche Insel, diePerle der Antillen" von Spanien zu trmnen, und somit dem europäischen Mutter-lande den letzten Rest jenes einst so unermeßlichen transatlantischen Kolonialgebieteszu entreißen. Castelar steuerte mutig mit festem Willm durch dieses Meer vonSchwierigkeiten. Allein es war vielen zweifelhaft, ob er gegenüber dm radikalenund demokratischen Elementm in den Kortes und in dm städtischen Kommunm dienötige Kraft besitzen werde, um sich auf dem Wege einer gemäßigten Cmtralrepublikzu halten. Darum hatten die Männer, von denm die Revolution von 1868 und dieVertreibung der Königin Jsabella hauptsächlich ausgegangen, die Serrano, Topete,Sagasta bereits im stillen einen Aktionsausschuß gebildet, um im Falle einer Wieder-holung republikanisch-demokratischer Schilderhebungen jeder socialistischen und födera-listischen Wühlerei, jedem anarchischen Unwesm durch einen militärischen Staats-streich entgegenzutreten.

tz. 659. Diktatur und Karlistenkrieg. Dieser militärische Staatsstreichtrat bald genug ein. Wie sehr immer Castelar sich anstrengte, das Staatsschiff durchdie stürmischen Wogen zu retten, seine Kräfte reichten nicht hin, um die Karlistm-banden im Norden aus dem Felde zu schlagen und zugleich gegen die aufrührerischenElemente des Südens die obrigkeitliche Autorität aufrecht zu halten. Die Armeewar nicht zahlreich genug und die Anführer ohne Vertrauen und Hingebung für dasRegiment der Juristen und Advokaten; zwischen Salmeron, dem Präsidentm derKortes, und Castelar, dem Haupt der vollziehenden Gewalt, herrschte eine tiefgehendeMeinungsverschiedenheit über die zu befolgende Politik. Als die Mehrzahl derStändeversammlung in einer entscheidenden Frage zu ihrem Präsidentm stand, reichteCastelar seine Entlassung ein. Ein demokratisches Ministerium unter Pi r> Margallwar in Aussicht, das, dm Insurgenten und Föderalisten von Cartagma und Sevillazuneigend, der Unordnung und Verwirrung neue Nahrung gegeben hätte. Da schrittzur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung gegen die Anarchie die Armee miteinem Pronunciammto ein, zu dem der Aktionsausschuß unter Serrano dm Anstoßgab. Plötzlich drang in später Abendstunde Pavia, ein junger entschlossener General,mit einigen Bewaffneten in den Sitzungssaal, erklärte die Kortes für aufgelöst undzwang die Abgeordneten auseinander zu gehen. Dieser Gewaltstreich, der in demdurchwühlten Pyrenäenreiche fast ohne alle Störung vorüberging, bildete den An-fang einer neuen Ordnung. Pavia versammelte die Häupter aller Parteien undforderte sie auf, eine neue Regierung zu schaffen. Da die Zeit zur Rückführung derMonarchie unter dem jungen Alfonso, auf den seine Mutter Jsabella ihre Rechteübertragen hatte, noch nicht reif war, so mußte ein neues republikanisches Regimenterrichtet werden, das mit Hilfe der Armee die Auflösung der Nation und einen all-