Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Bernhard Kugler.

hat zwar die bewaffneten Wallfahrten großenteils ins Leben gerufen undunterhalten: ohne ihn wären sie, wie sie sich nun einmal gestaltet haben,gar nicht denkbar; aber er hat ihnen auch dieselben Kräfte, die er für siegeworben hatte, massenweise wieder entzogen. Denn gerade die schwär-merische Stimmung, die von den Grundbedingungen gewaltiger po-litisch-militärischer Unternehmungen nur allzu oft absah, hat Hundert-tausende in Not und Tod gebracht und in ähnlicher Weise.zum Ver-derben der Pilger beigetragen wie die endlose Weite der Märsche, dieSchwierigkeit der Verpflegung, die glühende Sonne Asiens. Manbraucht sich nur an die Zeiten Peters von Amiens und Bernhards vonClairvaux zu erinnern, um mit einem Blicke zu überschauen, welch un-ermeßlichen Schaden der Geist der Askese in der bezeichneten Richtunggestiftet hat.

Aber viele Pilger überwanden immerhin die Hemmnisse, die sie inkurzsichtiger Torheit sich selber bereitet hatten, entgingen glücklich allenGefahren der Märsche, der Seefahrten und der Kämpfe mit den Seld-schuken und kolonisierten allmählich ein stattliches Stück des' schönenSyriens, so daß wenigstens die Möglichkeit für die Christen noch vorlag,hier für immer festen Fuß zu fassen, falls sie sich nur im übrigen derGunst der Umstände zu erfreuen hatten. Dies ist nun keineswegs nachallen Seiten der Fall gewesen, und mit schwerster Ungunst hat vor-nehmlich das Verhältnis zu den Griechen auf den Franken gelastet. Wirhaben genugsam gesehen, welche Hindernisse die imperialistische Tendenzder Komnenen den Fortschritten der Kreuzesfahne bereitet hat und wieverhängnisvoll dieselbe für Jerusalem wie für Konstantinopel gewordenist. Es liegt daher nahe, die griechische Politik im Zeitalter der Kreuz-züge als die zweite Hauptursache für den Zusammenbrach der christ-'lichen Herrschaft im Morgenlande geltend zu machen.

Fast vom Anfange des ersten Kreuzzuges an befehdeten sich aberzu eigenem größten Nachteile auch die Franken untereinander. Hierhaben die Normannen und die Provenzalen den Reigen eröffnet. Ge-folgt sind ihnen die Könige Jerusalems, die Fürsten von Antiochien, dieGrafen von Edessa und Tripolis, die Meister der Templer und Hospi-taliter, fast alle Großen der Kreuzfahrerstaaten. Vom Abendlande herhaben die Eifersucht der Genueser und Venetianer, der Hader der Deut-schen, Franzosen und Engländer, vor allem aber die theokratische Rich-tung der römischen Kurie verderblich in das Geschick der syrischen Kolo-nien eingegriffen: die Päpste des dreizehnten Jahrhunderts haben sichan ihrem eigenen Geschöpfe, dem Reiche Jerusalem, durch ihre unge-bändigte Herrschsucht in schlimmster Weise versündigt. Die vielgestaltigeZwietracht mithin, die Papsttum und Kaisertum, Fürsten und Völkerdes fränkischen Erdkreises während des Kreuzzugszeitalters gegen ein-ander in Waffen brachte, muß als dritte Ursache für den traurigenAusgang des heiligen Krieges bezeichnet werden.