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Gustav Freytag.
und Stoff verfertigt, bunt übermalt. Zum Schutz gegen die Sonne hatteman zur Sachsenzeit einen Strohhut über die Eisenkappe gesetzt, in denKreuzzügen ein Tuch herabhängen lassen, erst am Ende des dreizehntenJahrhunderts wird dies Tuch, bunt verziert und ausgezackt, als Helm-decke ein Teil des Wappenschmucks.
Die Außenseite des hölzernen Schildes, nicht selten mit Hermelinüberzogen, zeigt das Wappen des Besitzers, das auf Leinwand gemaltist. Die Wappenzeichen scheinen ursprünglich ein Vorrecht der edlenLehnsherren gewesen zu,sein und die Lehnsleute und vollends die Dienst-mannen nur das Zeichen ihrer Herren geführt zu haben, zuweilen miteinem unterscheidenden Merkmal; um 1200 tragen auch manche einfacheRitter ihr besondres Wappenbild, aber die Bilder und Farben werdenfrei behandelt, und die Nachkommen ändern sorglos daran. Grün ist indieser Zeit noch als Schildfarbe gebräuchlich, auch im folgenden Jahr-hundert werden zwei Metalle übereinander gesetzt. — Das Roß wird miteiner langen Decke geschmückt, welche vom Hals bis über den Schweif fastzum Boden reicht. Waffenrock und Pferdedecke haben häufig dieselbeFarbe, der bunte und kostbare Stoff ist durch eingesetzte Bilder und Em-bleme verziert. Die Turnierlanze muß an der kurzen Spitze ein Quer-eisen gehabt haben, wodurch das tiefe Eindringen verhindert wurde, nochnicht die spätere Krone; denn es wird von dem Eindringen des Stichsdurch die Helmfenster und das Panzerhemd berichtet, aber die Augendes Kämpfers sind geschützt, und die Wunden können nicht tief gewesensein. Der Speer wird farbig bemalt, wohl auch mit Blumen und Flitter-schmuck dicht umwunden, mit einem Wimpel verziert. Der geschlosseneHelm, der bemalte Schild, das Ritterschwert, der Gürtel, der Waffenrocksind die unterscheidenden Zeichen des Ritters, der Knappe reitet inoffener Helmkappe ohne Schild und Waffenrock.
Größte Bedeutung erhielten dem Ritter seit dem Ende des zwölftenJahrhunderts die Waffenübungen, welche ein Vorrecht seines Standesgeworden waren. Sie wurden in der Hauptsache zuverlässig schonwährend der Wanderzeit eingerichtet, seit den Kreuzzügen mit den Spiel-gesetzen, welche die Romanen allmählich erdacht hatten, zu einem Systemvon Regeln verbunden, an deren Beobachtung der höfische, d. h. gebildeteMann erkannt ward, deren Verletzung für unehrenhaft galt.
Von diesen Übungen war die häufigste, Grundlage der übrigen, dieTjost, der Speerstich zweier gerüsteter Ritter gegeneinander.*) Zweckdieses Kampfes war, den Gegner im scharfen Anritt mit dem Speer so
*) Eine gewöhnliche Herleitung des Wortes Tjost ist vom lateinischenjust», regelrechter Kamps. So wurde das Wort von den Deutschen des drei-zehnten Jahrhunderts erklärt. (Darum mhd. es rsoktsr tjostv.) Man wirdjedoch vor alten Kampf- und Kriegsbezeichnungen zweifelhaften Ursprungs guttun, germanischen Ursprung als möglich zu betrachten. Denn auch die Romanengewannen Ordnung und Brauch ihrer Kämpfe weit mehr von den Germanen