Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Gustav Freytag.

Dieser Einzelkampf war die häufigste Ritterfreude, zu ihm wurdedurch Boten und Briefe von Kampflustigen aufgefordert, er fehlte beikeinem Hoffest. Als im Jahr 1224 Leopold von Österreich hadernde Par-teien zu jenem Sühnetag nach Dreifach eingeladen hatte, benutzten zweijunge Lichtensteiner die Gelegenheit, zu Ehren edler Frauen Ritterschaftzu prüfen, und forderten zur Tjost in der Nähe der Stadt heraus. Daritt alles auf das Feld, um zu stechen, und vergaß Tage lang die Verhand-lungen, bis die Bischöfe sich bitter beklagten und der Herzog zuletzt nichtanders zu helfen wußte, als daß er selbst ein großes Turnier ansagte, wodie Versammelten einander in Masse zerstechen konnten.

Die höfischen Dichter erklären gern, daß die leidenschaftliche Freudean der Tjost durch Ehrgefühl und Frauendienst aufgeregt sei, in Wahr-heit spielen aber auch hier die Preise und Wetten eine große Rolle. Ulrichvon Lichtenstein lockt 1227 dadurch, daß er jedem Gegner, der seiner nichtfehlen werde, einen goldenen Fingerring verheißt, dem aber, der ihnaus dem Sattel heben könne, alle Rosse, die er mit sich führt. Und eben-so setzt in der merkwürdigen — erdachten — Schilderung eines Turnierszu Nantes, in welchem Richard Löwenherz als Vorkämpfer der Rittervon germanischem Blut die Franzosen gründlich besiegt, ein Edler zueiner Tjost ein Roß und hundert Mark Silber mrs und verliert diesenPreis.

Das Speerstechen war in den altheimischen Volksspielen geübtworden, wenn bei Beginn des Frühjahrs Sommer und Winter verkleidetmiteinander kämpften, der Maigraf aus der Waldlichtung mit seinemreisigen Gefolge in das Dorf einritt. Über das dreizehnte Jahrhunderthinaus blieb der Mai und Pfingsten die lustige Festzeit der ritterlichenKämpfer; auch der Brauch erhielt sich, daß die herausfordernde Parteiin der Lichtung eines Gehölzes, durch das Laub verborgen, sich rüsteteund plötzlich in buntem Schmuck aus dem grünen Vorhang in die EbeneHinausritt. Das junge Waldesgrün wurde als poetisches Lager und Ver-steck des Auftauchenden respektiert. Auch wer Abenteuer, Verkleidung,Überraschung beabsichtigte, als Frenider in einen Rennverein einleitenwollte, wählte das Laubversteck, er sandte einen Knappen heraus, welcherihn artig mit den Worten anmeldete: „mein Herr begehret Ritterschaftan euch"; kam die Antwort: „sie wird ihm gewährt, wie er sie auch be-gehrt," so tauchte der Ritter selbst, in seinem schönen Waffenkleide, mitgebundenem Helm hervor, nach gefälliger Annahme sämtlicher Beteiligtendurchaus unkenntlich; er zerstach seine Speere und deutete durch Rück-zug in das.Gehölz an, daß er wieder verschwinde. ^Deshalb nannte manin der Rittersprache von dem romanisierten Worte „Forest," Hain, allesVerkleiden oder Veranstalten eines ritterlichen Abenteuers beim Renn-spiele „forestieren," auch wenn es nicht mehr vom Waldesdickicht ausging.

Es lag nahe, in diesen Verkleidungen Heldengestalten der Sage undder Rittergedichte nachzubilden. Zumal wenn sich ganze Gesellschafter!