Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Vom Rittertum.

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zuletzt die Menge zusammengelaufenen Volks — es waren sinnbe-törende Bilder für Kämpfende und Zuschauer. Und es wird berichtet,daß solche Turniere einen ganzen Tag währten, ja mehrere Tage hinter-einander.

Sämtliche Ritterspiele forderten große Kraft und Übung. DieAusdauer, welche Virtuosen dabei entwickelten, war außerordentlich.Der Lichtensteiner verstach einmal an einem Tage in der Tjost fünfzigSpeere und ritt ein andermal zwölf Stunden im Turnier. Am meistenlitten Hände und Arme, sie waren am Abend von den Stößen und derErschütterung durch Brechen der Speere und Ruck der Schilde geschwol-len, blau und mit Blut unterlaufen, ebenso die Knie übel zerstoßen. Beialledem fällt auf, daß die Kämpfer bei der Tjost nicht häufiger verwundetund vom Rosse gesetzt werden. Durch etwa 300 Speere, welche der Lich-tensteiner in vier Wochen verflicht, werden sechs Gegner vom Pferde ge-worfen, einige leicht verwundet, er selbst erhält nur zweimal leichteVerletzungen. Unsere Herrenreiten mit Hindernissen geben fast mehrUnfälle. — Die Turniere waren allerdings viel wilder und gefährlicher;im Gewühl vom Roß zu stürzen, brachte manchem wackeren Mann denTod oder langes Siechtum, und kaum ein Turnier mag ohne mehrereschwere Unfälle vergangen sein. Aber daraus wurde wenig gemacht,wenn der Verunglückte nicht eben ein großer Fürst war.

Diese Spiele blieben seit den Kreuzzügen die elegante Leidenschaftdes Standes. Wer irgend auf höfische Sitte Anspruch machte, hatteKenntnis davon; auch wer den Turnierring nicht betreten durfte, ge-brauchte wenigstens mit Behagen die fremden Ausdrücke des Sports,vor andern der wandernde Spielmann, der darin so gut Bescheid wissenmußte wie der Knappe eines Edlen.