Städtisches Dasein im späteren Mittelalter.
73
eingedeckte Holzhäuser gewesen waren, so daß man anfangs fast aufdas Menschenalter, später wenigstens auf das halbe Jahrhundert fürjede Stadt einen großen, verzehrenden Brand rechnen konnte, so istmmr erst spät aus diesem Zustande herausgekommen. Die Steinhäuserbilden im 12., ja im 13. Jahrhundert noch eine große Seltenheit; dieältesten erhaltenen, wie namentlich das prächtige Overstolzenhaus inKöln, datieren aus der Zeit des romanischen llbergangsstils: meist hohedreistöckige und schön verzierte Bauten, waren sie bürgerliche Palästeim Sinne des 13. Jahrhunderts. Eine wesentliche Verbesserung tratfreilich in: 13. Jahrhundert durch die Ausbildung des Holzbaues zumFachwerkbau ein, der dann später, vor allem in den Städten nördlichvom Harze, eine wirksame künstlerische Ausbildung erhielt. Aber auchjetzt noch blieb der Ausbau durchweg schlicht, und namentlich deckte mannoch immer mit den feuergefährlichen Schindeln und mit Stroh; KaiserLudwig gebot noch 1342 für München, wenigstens die Wohnhäuser solltendoch mit Steinziegeln gedeckt sein. Und auch in den Kolouialgebietenwar die EntwiÄung kaum günstiger; fast überall trifft man hier in dengrößeren Städten noch heute nur die Hauptstraßen und Plätze mit älte-ren Häusern spitzgiebliger Gotik besetzt,*) während die Seitenstraßen,ehedem von Holzhäusern begrenzt und vielmals abgebrannt, Bautenaus jüngeren Zeiten ausweisen. Wohl nur in Lübeck wurde seit demgroßen Brande des Jahres 1276 der Bau von anderen als backsteinerncuHäusern mit feuerfester Bedachung verboten.
Besonders mißlich war es, daß bei dem lange festgehaltenen Typusdes Einfamilienhauses auf größeren Bauplätzen meist mehrere kleineHäuser erbaut wurden, die dann aber keine trennenden Brandmauern,sondern im Gegenteil ein einziges zusammenhängendes Dach erhielten:bis zu zwanzig solcher Häuschen unter einem Dache kommen vor, undes zeigt sich nicht, daß man von Feuerpolizeiwegen gegen diesen Gebraucheingeschritten wäre.
Dafür war das Löschwesen schon früh zur Zufriedenheit geordnet.Es fand in der militärischen Vierteleinteilung der Stadt eine Form, andie es sich rasch und gern anlehnte. Schon das Meldewesen ließ sich leichtmit der Torwacht vereinigen; nicht selten hatte man zudem einen be-sonderen Feuerwächter im Zentrum, der Stadt. Stieß er ins Horn oderläutete er die Brandglocke, so traten die Bürger oder wohl gar schon be-sonders bezeichnete Löschmänner unter den Brandmeistern auf denAlarmplätzen zusammen; auf diese Weise wurde rasch eine größere undmeist ausreichende Hilfe gewährleistet, der die Verpflichtung eines jedenBürgers zurHaltung von Feuereimern für den erster:Notfall zurSeite ging.
Nicht wenig wurde die Wirkung dieses wohlgeordneter: Löschweserrsdurch die außerordentliche Mannigfaltigkeit des mittelalterlichen Haus-
*) Bisweilen sind freilich alle Giebel maskiert, so am Rostocker Markte.