Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Adolf Hausrath.

und von dem gefundenen festen Boden aus sichtete, ordnete und klärtesich nun auch auf den anstoßenden Gebieten die geschichtliche Kunde.So ist Luther einer der Vater der modernen Geschichte geworden. So-gar auf Gebieten, in denen er selbst mittelalterlich befangen blieb, emp-fand man bald die wohltätigen Wirkungen der großen geistigen Be-wegung, zu der er den Anstoß gegeben hatte. Nichts lag ihm ferner alsNaturwissenschaft, aber indem er Aristoteles stürzte, ebnete er der selb-ständigen Naturforschung die Wege. Als er gelegentlich von Kopernikushörte, warf er ihn zu den Leuten, die durchaus etwas Neues aufbringenwollen. Und doch ist er selbst der Grund, warum die neue Astronomienur unter den Deutschen ausgebaut werden konnte, während Galileisie abschwören mußte und Giordano Bruno für sie verbrannt wurde.Die Überzeugung, daß nur der eigene Glaube uns zu helfen vermöge,stürzte den Autoritätsglauben auch in der Betrachtung der Natur; nichtin den alten Schriftstellern suchte man forthin die letzte Belehrung, son-dern in der eigenen Beobachtung. Auch hier stand der Protestant aufsich selbst. So trug Luthers Kampf gegen Aristoteles noch späte Früchte,und noch lang wird die große Gestalt des Reformators zeugen müssengegen die, die aus dem Protestantismus wieder eine Kirche toter Autori-täten machen wollen und so das große Erbe der Reformation verschleu-dern. Daß Luther ein anderes Deutschland hinterlasse, als er einst an-getreten, hat an seinem Sarge niemand geleugnet. „Der WagenlenkerIsraels ist von uns gegangen," sagte Melanchthon in dem Anschlag,der den Studenten Luthers Tod anzeigte. Seine volle Größe aber konn-ten erst die folgenden Generationen ermessen, als die ganze Kraft undFruchtbarkeit seiner Gedanken sich geschichtlich ausgewirkt hatte. Nunerst erkannte man, was Martin Luther für die Menschheit bedeute.Alexander der Große hat die Schranken zwischen Orient und Okzidentaufgehoben und den Boden hergestellt, auf dem die neue Kultur er-wuchs. Karl der Große hat das heilige Reich gegründet, in dem Lateinerund Germanen, gebeugt unter eine gemeinsame religiöse Autorität, zu-sammen arbeiten konnten. Martin Luther hat der Heiligherrschaft einEnde gemacht, als sie nur noch ein Vorwand für die Welschen war, dieandern Rassen auszubeuten. Doch nicht zu jenen großen Helden undStaatsmännern stellen wir ihn, auch zu den großen Gelehrten undKünstlern nicht. Er gehört in eine andere Reihe. Wir zählen ihn unterdie Patriarchen des Menschengeschlechts, denn auch ihm ist die Ver-heißung geworden: „Ich will dich zum großen Volke machen, unddu sollst ein Segen sein."