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Leopold v. Ranke.
aus welcher er den Papst unbemerkt besuchen konnte, um dies so oft zutun als möglich, um alle Streitpunkte selbst aufs reine zu bringen.
Von dem an begann er seine Unterhandlungen persönlich zu leiten,seine Heere selber anzuführen, er fing an, von Land zu Land und immerdahin zu eilen, wo das Bedürfnis und die Lage der Geschäfte seine Gegen-wart erforderten. Wir sehen ihn bald in Rom sich bei den Kardinälenüber die unversöhnliche Feindschaft Franz' I. beklagen, bald. in Parisdie Gunst der Estampes suchen und gewinnen, bald in Deutschland demReichstag Vorsitzen, um die religiöse Entzweiung beizulegen, bald in denkastilischen Cortes bemüht, sich die Auflage des Servicio stimmen zulassen. Dies sind friedliche Bemühungen; öfter aber steht er an derSpitze seiner Heere. Er dringt über die Alpen in Frankreich vor und über-schwemmt die Provence; er setzt Paris von der Marne aus in Schrecken.Dann kehrt er um nach Osten und Süden. Den Siegeslauf Solimanshält er ein an der Raab; er sucht den Halbmond m Algier auf. DasHeer, das ihm in Afrika gedient, folgt ihm an die Elbe, und auf derLochauer Heide hört man das Feldgeschrei: „Hispania!" Da ist Karldas am meisten beschäftigte Haupt der Welt. Gar manchmal schifft erüber das Mittelmeer, über den Ozean. Indes sind seine Seeleute Ent-decker in früher nie befahrenen Meeren, seine Krieger Eroberer vonfrüher nie betretenen Erden. In so weiter Ferne bleibt er ihr Regiererund Herr. Sein Wahlspruch: „Mehr, weiter!" hat eine glorreiche Er-füllung.
So ist sein Leben, wenn wir es im einzelnen betrachten, nach un-gewöhnlich langem Ruhen volle Tätigkeit. Es läßt sich bemerken, daßdie nämliche Erscheinung: anfangs Ruhen, Warten, Zusehen, spät dieTat, auch während seines bewegtesten Lebens in den einzelnen Ereig-nissen immer wiederkehrt. — Obwohl in der allgemeinen Willensrich-tung völlig entschieden, faßte er, Fall für Fall, doch nur langsame Ent-schlüsse. Auf jeden Vortrag antwortete er anfangs unbestimmt, undman mußte sich hüten, seine vieldeutigen Ausdrücke für eine Gewährungzu nehmen. Dann beriet er sich mit sich selbst. Er schrieb sich oft dieGründe für und wider auf; da brachte er alles in so guten Zusammen-hang, daß, wer ihm den ersten Satz zugab, ihm den letzten zuzugebengewiß genötigt war. Den Papst besuchte er zu Bologna, einen Zettelin der Hand, auf welchem er alle Punkte der Unterhandlung genau ver-zeichnet hatte. Nur Granvella Pflegte er jeden Bericht, jeden Vortragmitzuteilen; diesen fanden die Botschafter immer, bis auf die einzelnenWorte, welche sie geäußert, unterrichtet: zwischen beiden wurden alleBeschlüsse gefaßt. Langsam geschah es; häufig hielt Karl den Kurier nochein paar Tage länger auf. War es aber einmal so weit, so war nichts aufder Welt vermögend, ihm eine andere Meinung beizubringen. Manwußte dies wohl. Man sagte, er werde eher die Welt untergehen lassen,als eine erzwungene Sache tun. Es war kein Beispiel, daß er jemals