Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Der Friede des Dreißigjährigen Krieges.

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schrei der Völker sich in den Hader der immer noch verhandelnden Par-teien mischte. Dazu kamen Plagen anderer Art, alle Länder wimmeltenvon „herrenlosem Gesindlein". Banden entlassener Kriegsknechte mitDirnen und Troßbuben, Scharen von Bettlern, große Räuberhaufenstreiften aus einem Gebiet in das andere, sie quartierten sich gewaltsamin den Dörfern ein, welche noch Einwohner hatten, und setzten sichwohl gar in den verlassenen Hütten fest. Auch die Dorfbewohner, mitschlechten Waffen versehen, der Arbeit entwöhnt, fanden es zuweilenbequemer zu rauben als das Feld zu bestellen, und machten heimlicheStreifzüge in benachbarte Gegenden, die Evangelischen in katholischesLand und umgekehrt. Sogar die fremden Söhne eines gesetzlosenLebens, die Zigeuner, waren an Zahl und Dreistigkeit gewachsen undlagerten, phantastisch aufgeputzt, mit ihren hochbeladenen Karren, mitgestohlenen Pferden und nackten Kindern um den Steintrog des Dorf-platzes. Wo gerade ein kräftiger Landesfürst und eifrige Beamte tätigwaren, wurde dem wilden Wandern nach Kräften entgegengearbeitet.Die Dorfleute des Herzogtums Gotha mußten noch im Jahre 1649von den Kirchtürmen Wache halten, Brücken und Fährten über dieBäche des Landes besetzen und Lärm machen, so oft sie einen marschieren-den Haufen erblickten. Eine Reihe von Polizeiverordnungen, zumeistnotwendig und heilsam, war das erste Zeichen des neuen Selbstge-fühls, welches die Regierungen erhalten hatten. Wer sich niederlassenwollte, dem wurde die Ansiedelung leicht gemacht. Wer fest saß, mußteangeben, wieviel Land er bebaut hatte, in welchem Zustande ihmHaus und Hof war, ob er Vieh hatte. Neue Flurbücher und Verzeich-nisse der Einwohner wurden angefertigt, neue Steuern in Geld undNaturalien wurden ausgeschrieben und auch durch solchen harten Druckdie Dorfbewohner zur Arbeit gezwungen. Allmählich besetzten sich dieDörfer wieder mit Menschen. Viele Familien, die sich zur Kriegszeitin die Städte geflüchtet hatten, besserten ihre verwüsteten Höfe aus,andere zogen aus dem Gebirge oder der Fremde zurück; auch verab-schiedete Soldaten und Troßknechte kauften von dem Rest ihrer Beutezuweilen Acker,und ein leeres Haus oder liefen zu dem heimischenDorfe. — Es wurde viel geheiratet und eifrig getauft.

Aber die Erschöpfung des Volkes war doch jämmerlich groß;die Ackerstücke, deren viele geruht hatten, wurden ohne Dünger not-dürftig bestellt, nicht wenige blieben, init wildem Buschholz undUnkraut bewachsen, noch lange als Weideland liegen. Den Grundverwüsteter Ortschaften kauften zuweilen die Nachbardörfer; aneinigen Stellen zogen sich zwei oder drei kleine Gemeinden zu einerzusammen.

Noch viele Jahre nach dem Kriege muß das Aussehen der Dörfertrostlos gewesen sein. In Thüringen ist das zuweilen aus Verhand-lungen mit der Obrigkeit erkennbar. Die Hausbesitzer von Siebleben