Der Friede des Dreißigjährigen Krieges.
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sen innerhalb der Zeit der Zerstörung. Die gesamte Jugend kanntekeinen andern Zustand als den der Gewalttat, der Flucht, der allmäh-lichen Verkleinerung von Stadt und Dorf, des Wechsels der Konfes-sion; man mußte schon auf der Höhe des Lebens stehn, sich daran zuerinnern, wie es im Dorfe vor dem Kriege ausgesehen hatte, wievielPaare unter einer Dorflinde getanzt hatten, wie stark die Viehherdeim Riedgras und auf den Weidehöhen gewesen war und wieviel einstdurch den Klingelbeutel oder Opferpfennig in der Kirche eingesammeltwerden konnte. Nicht viel anders war es in den Städten: innerhalbder meisten halb zerstörten Ringmauern gab es wüste Plätze, welchevor dem Kriege mit Häusern besetzt gewesen waren; in den schadhaftenHäusern aber hatte vor dem Kriege die doppelte Zahl arbeitsamerMenschen gewohnt. Es gab Landschaften, wo ein Reiter viele Stundenumhertraben mußte, um an eine bewohnte Feuerstätte zu kommen;ein Bote, der von Kursachsen nach Berlin eilte, ging von Morgen bisAbend über unbebautes Land, durch aufschießendes Nadelholz, ohneein Dorf zu finden, in dem er rasten konnte. Und doch bezeichnet dasEnde des Krieges im ganzen nicht den niedrigsten Stand der Bevölke-rung und Schaffenskraft. Die Zeit der größten Entkräftung liegt etwasechs Jahre vorher, Jahre, aus welchen Sammlungen statistischer Auf-Zeichnungen gar nicht vorhanden sind. Denn wie es nach der Pest undBaners Zügen aussah, davon geben nur einzelne Ortschroniken spär-liche Kunde. Seit dieser Zeit half die Politik der Neutralerklärungen,durch welche die größeren Landesherren den Krieg von ihren Grenzenabzuhalten suchten, doch etwas dazu, die Schäden nicht zu heilen, aberdie Bevölkerung und sogar den Viehstand wieder festzusetzen. Selbst-verständlich aber ist der Zuwachs unter den Überlebenden nach so großerVerwüstung ein verhältnismäßig starker. Die Ehen sind massenhaftdurch den Tod eines Ehegatten gelöst, neue Ehe wird leicht, leere Hüt-ten, unbebaute Acker, fast wertlos, vermag auch der Arme leicht zu be-setzen. Der Friede fand in vielen Landschaften schon wieder neue kleineBrüt. Und dennoch sind zwei Dritteile bis drei Vierteile der Menschenverloren. Noch größer sind die Verluste an Zug- und Nutzvieh, an Haus-rat. ..
Häufig beklagt sind die Schäden der Bildung, welche in den aus-geplünderten Städten und Rittersitzen zutage kamen, zunächst wiederübermäßiger Aufwand, Genußsucht und rohe Liederlichkeit, Mangelan Gemeinsinn und Selbstgefühl, Kriecherei gegen Vornehme, Herz-losigkeit gegen Niedere. Es sind die uralten Leiden eines herunter-gekommenen Geschlechts. So finster, freudenlos, arm an belebendemGeiste war das Dasein, daß die Selbstmorde zum Erschrecken häufigwurden; die Obrigkeit suchte das Sonnenlicht dadurch schätzbarer zumachen, daß sie dem Henker befahl, Selbstmörder unter dem Galgenzu begraben. Daß das Selbstregiment der Städte immer mehr