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zur Zeit der Apostel, hörte sie das Todesurteil an. Worum sie bat, daswar noch ein Priester, um zu beichten. Allein auch dieser letzte Trostwurde ihr versagt. Sie wußte: „Morgen um acht Uhr werde ich sterben."Dennoch speiste sie ruhig und gefaßt mit ihrem Arzte zu Nacht, ließalle ihre Diener vor sich kommen, bat sie um Verzeihung und teilte ihreHabe unter sie. Als der Morgen graute, erhob sich die königliche Dul-derin noch einmal zum Gebete. Zwei Stauden brachte sie in stillerAndacht zu. Um acht Uhr meldete man ihr, daß es Zeit sei. „Es istgut," sagte sie und nahm noch einmal Abschied von der weinendenDienerschaft.
Ein Kreuz in der Hand, verließ sie darauf ihre Gemächer und tratgefaßt in die schwarze Halle, welche mit Zuschauern angefüllt war. Alssie das Blutgerüst erblickte, veränderte sie keine Miene. Mau las ihr nocheinmal das Urteil vor; sie aber hörte es kaum. Noch betete sie für ihreunversöhnliche Verfolgerin Elisabeth, dann entblößte sie selbst den Hals,legte ihr Haupt auf den Block und empfing den Todesstreich. So ver-wirrt war aber dabei der Henker selber, daß er dreimal das Beil führenmußte, ehe Maria starb.
So endete die edle Königin am 8. Februar 1587, erst 45 Jahre alt,von denen sie zwanzig im Gefängnisse verlebt hatte. Ganz Europa warin Bestürzung ob dem Blutgerichte. Auch Elisabeth heuchelte Trauer.
Im übrigen geschah unter Elisabeth vieles für England.Der Handel und das Seewesen wurden neu belebt. Sogarin Amerika wurden Kolonien angelegt, wie Virginien inNordamerika.
Den größten Ruhm erntete Elisabeth, da unter ihrer Herr-schaft die sog. unüberwindliche Flotte, die spanische Armada,besiegt wurde. Philipp II., König von Spanien, der SohnKaiser Karls V., hatte nämlich um die Hand Elisabeths ge-worben. Elisabeth hatte ihn abgewiesen und zugleich den Nieder-ländern in ihrer Empörung gegen die Spanier Hilfe geschickt,Dafür wollte sich Philipp rächen. Er sandte gegen sie eine !Flotte aus, die er selbst als die unüberwindliche Armada !bezeichnete. Trotzdem kehrten nur klägliche Trümmer davon >nach Spanien zurück. — '
6- Spanien. Die Niederlande. Portugal.
1. Wilipp II. (1556—1598). Wie wir gehört haben,hinterließ König Karl V. Spanien, Mailand, Neapel unddie Niederlande als Erbe seinem Sohne Philipp. Dieser warsomit, wie sein Vater, einer der reichsten Fürsten seinerZeit; denn als Beherrscher von Spanien gehörten ihm auchdie meisten Besitztümer in dem neu entdeckten Amerika. Die