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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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Herrngenie und warnte sehr davor, ihn zu reizen und sich mit ihm ineinen Kampf einzulassen,Kriegsruhm," sagte Gustav Adolf,ist derhöchste Ruhm, und Tapferkeit und Unerschrockenheit das beste Erbe desMannes". Seinem Reiche den Borrang über alle Staaten des Nordenszu verschaffen, war der Lieblingsgedanke seines Lebens, der ihn von einemSchlachtfelde znm anderen trieb. - Dazu kam die Befriedigung der eigenenLust an kriegerischen Fahrten in fremde Länder, die zugleich Gelegenheitboten, den trotzigen Adel an sich zu fesseln. Alle Einrichtungen im Staatezielten auf den Krieg ab. Jeden dreizehnten oder vierzehnten Bewohnereignete er sich als Soldaten zu. Schien die Gelegenheit zum Kampfegünstig, dann schreckten keine Rechtsgedanken davon ab; dann galt nurder Grundsatz, den er einst dem Gesandten seines Schwagers, dem Kur-fürsten von Brandenburg, aussprach:Die Kraft der Scepter fällt ganz,wenn sie, was Rechtens ist, beginnt zu erwägen."

L) HM) und Hustav Mols. Inzwischen belagerte LillyMagdeburg (1631), eine Hauptfesre des Pralcstantisnms. i83lDa wurde die Stadt nach dem Wunsche Gustav Adalfs vomKommandanten Falkcnbcrg durch angelegte Pulvermincn zer-stört. Die Schuld aber wurde auf Lilly geschoben. Daswirkte! Denn sofort hielten jetzt auch die Kurfürsten vonBrandenburg und Sachsen zu Gustav Adolf. So konnte diesernun mit vermehrten Kräften unaufhaltsam gegen Lilly ziehen.

Seit Dezember 1630 belagerte General Pappenheim, ein Unterfeld-herr desTillh, Magdeburg. Tillq suchte, die Stadt durch Unterhandlungzu gewinnen. Doch diese vertraute aus den Schwedeukönig. Endlich solltedie Stadl im Sturm genommen werden. Am Morgen des 20. Mai l631begann Pappenheim den Angriff bei der Hohen Pforte. Bald ertönte dieSturmglocke. Falkenberg, der Befehlshaber der Stadt, eilte herbei. Einfurchtbarer Kampf entbrannte. Falkenberg fiel im Getümmel. Jetzt be-gann ein gräßlicher Straßenkampf. Aus den Häusern, von den Trüm-mern herab, hinter den Mauern her eröffneten Bürger und Soldaten aufdie heranstnrmendenden Sieger ein mörderisches Feuer. Sogar Frauennahmen an dem Kampfe teil, indem sie siedendes Wasser, flüssiges Bleiund kochendes Oel aus den Fenstern und von den Dächern her auf diekaiserlichen Soldaten herabschülieten. Die nutzlose Gegenwehr erhöhte in-dessen nur die Wut der Stürmenden. An Widerstand war nicht mehrzu denken. Ein furchtbares Blutbad folgte. Erbarmungslos wütete dasSchwert des Siegers. Plötzlich, wie aus ein gegebenes Zeichen entzün-deten sich zugleich mit großem Gekrach zahlreiche Minen; an vierzig, fünfzigStellen zugleich loderte die verheerende Flamme aus. Bis aus den Domund etwa fünszig Häuser lag alles in Schutt und Asche. Nicht Tillyund seine Truppen aber haben Magdeburg derart zerstört, sondern dieBewohner selbst. Denn auch an Stellen, wohin kein Kaiserlicher den Fußgesetzt hatte, loderte die Flamme zugleich mit den übrigen empor. Sehrwahrscheinlich hatte Falkenberg selbst diese Minen legen lassen, um demFeinde wenigstens keine Stadt, sondern höchstens einen Trümmerhaufenzu huiterlassen.