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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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Rudolf Wett st ein; für die Katholiken arbeitete der UrnerSebastian Zwyer.

3. IieichsverfassiMg. Am schwersten trafen den Kaiserdie Bestimmungen über die Neichsverfassung. Fürstenund Städte erhielten nämlich eine Menge von Vorrechten,so daß der NameKaiser" beinahe zum leeren Titel wurde.

Schrecklich waren die Verheerungen des Krieges gewesen.

Der Bauernstand war zwar im Bauernkriege niedergeworfenworden, doch im Laufe des sechzehnten Jahrhunderts wieder erstarkt.Der Bauer hatte seinen hübschen Hausrat, seine Sparpfennige in derTruhe, reichliches Vieh auf der Weide und im Stalle Der Krieg ver-nichtete diese ganze Blüte. Die Dörfer lagen in Asche, der Biehstandging ein; das Feld verwuchs und ward stellenweise wieder zu Wald; dieLeichen blieben nnbegraben; die Dorfhunde rotteten sich zusammen wieHerden Raubtiere, und zu dem Elende des Krieges kamen die unausbleib-lichen Plagen des Hungers und der Pest. In der zweiten Haltte desKrieges weigerte sich ein schwedischer General, sein Heer von Pommernnach Süddeutschlaud zu führen, weil durch die dazwischen liegende Öde seinVerlust größer sein würde als durch die blutigste Niederlage. In einzelnenGegenden, wie in Schlesien, Thüringen und Mecklenburg, hatte der Kriegbesonders grausam gehaust. In der Grafschaft Henneberg waren 75 Prozentder Familien, 66 Prozent der Wohnungen untergegangen. Hessen zahltean verbrannten Ortschaften 300 Dörfer, 17 Städte und 47 Schlösser,Württemberg 45 Dörfer und 8 Städte. Im Bistum Freising zähltenmanche Dörfer, die früher 400 Einwohner hatten, nur noch 20; manchewaren ganz verödet.

Aus der allgemeinen Verwüstung ragten inselartig noch die Städtehervor, aber in welchem Zustande! Der große Krieg hinterließ auch hiernur Elend. Den kleineren Städten erging es meist nicht besser als denDörfern. Größere, befestigtere Orte überdauerten wohl; aber dann waren siedurch Umlagerung so oft geängstigt, durch Kriegszahlungen und Brand-schalznngen so erschöpft, durch Hunger und Pest so entvölkert, daß vieleHäuser und Straßen in Trümmern liegen blieben. So hatte Berlin nachdem Kriege noch 6000 Einwohner, d. h. etwa den vierten Teil seinerfrüheren Zahl; 200 Häuserstellen lagen wüst; die Häuser warenmit Stroh und Schindeln gedeckt, die nngepflafterten Straßen auf beidenSeiten mit Ställen und Zäunen verunziert. In Augsburg war die Ein-wohnerzahl von 80000 auf 18 000 herabgesunken; Göttingen besaß nachdem Kriege nur noch die Hälfte seiner Bürger, und in Nordheim gabes nach dem Kriege noch 150 Bürger, von denen nur 40 Steuern zahlenkonnten.

5. Z>ie Ilevolulion in England.

(16031688.''

Auf Elisabeth aus dem Hause Tudor folgte in Eng-land trotz des Blntgerichtes von 1587 das Hans Stunrtauf dein Throne. (16031688). Keiner der Nachkommen