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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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unv bezeichnete die Urheber alsböse Buben" undüber-schuldete Leute". Da brach der Aufstand mit neuer Gewaltlos. Ein alter Soldat von riesiger Körperstärke, namensChristian Schybi, stellte sich an die Spitze der unruhigenEntlebucher; im Emmental forderte der beredte NikolausLeuenberger das Volk zum Widerstände auf.

Um ein gemeinsames und einiges Vorgehen gegen diehartherzigen Regierungen zu ermöglichen, traten am 23.April in Sumiswald die Luzerner, Berner, Solothurner,Basier und Aargauer Bauern zu einer großen Volksversamm-lung zusammen und stellten dem durch das Stanservorkommnisgeschaffenen Herrenbund einen Volksbund entgegen. Zugleichbeschworen sie einen Bundesbrief, in welchem sie gelobten, imKampfe um ihre Rechte einander mit Gut und Blut beizustehenund die Obrigkeit zu nötigen, die neuen lästigen Abgaben zu be-seitigen.Alle für einen und einer für alle!" war ihr Wahlspruch.Leuenberger wurde zum Obmann, Emmenegger zum General-obersten gewählt und ein Kriegsrat aufgestellt. Sofort tratendie Bauern unter die Waffen. Wer nicht mitmachte, galtals Verräter. DieHarten", wie sich die Unzufriedenennannten, stutzten denLinden", d. h. den Anhängern derRegierungen, die Bärte oder schlitzten ihnen gar die Ohren,drohten ihnen mit Anzünden der Häuser und erpreßten ihnenStrafgelder". Leuenbergers Ansehen wuchs mit jedem Tage.Wo er in seinem roten Mantel, einem Geschenk der LuzernerBauern, hingeritten kam, wurde er wie ein Fürst empfangenund f and.d en pünktlichsten Gehorsam. ^

Umsonst versuchten die einzelnen Regierungen und dieTagsatzung, mit den Aufständischen zu unterhandeln und durchneue Zugeständnisse den Sturm zu beschwichtigen. Die Ge-walt der Waffen sollte entscheiden. Das Heer der Bauernzählte 20000, dasjenige der verbündeten Regierungen 25000Mann. Letzteres sollte in drei Gruppen den Angriff unter-nehmen. Oberst Zwyer aus Uri sollte mit einer AbteilungNegierungstruppen das Gebiet von Luzern besetzen und dessenHauptstadt schützen; mit einer andern mußte KonradWerd müller von Zürich das Freiamt und den unterenAargau besetzen; die dritte war dazu bestimmt, unter Sieg-mund von Er lach von Bern den Aufstand im Emmentalund Oberaargau zu unterdrücken.