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Die Schullokale waren meist niedrige Stuben mit kleinenFenstern. Die Stube wurde oft in einem Winter zwanzig-mal gewechselt. Der Schulmeister erhielt etwa einen GuldenLohn pro Winter; im Sommer wurde keine Schule gehalten.Als Lehrmittel brachte jeder Schüler in die Schule, was derVater befahl, der eine die Bibel, der andere ein Gesangbuch,der dritte einen Kalender u. s. w. Das Alter für den Ein-und Austritt aus der Schule war gar nicht festgesetzt.
L. Handel und Gewerbe.
1. Der Händel im allgemeinen- Die erste Stelleunter den handeltreibenden Nationen nahm bald nach der Ent-deckung Amerikas, wie auch heute noch, England ein. Ihmfolgten die Niederlande, Spanien und Portugal. Den Bin-nenhandel verstand namentlich Frankreich zn heben. Späterwurde der französische Minister Colbert mit seinen Handels-grundsätzen („Merkantil-Spstem") auch der Lehrmeister fürKurfürst Friedrich Wilhelm von Preußen. Wie in Frank-reich, so fanden sich auch in Deutschland Schutzzoll und be-vorrechtete Fabriken, Ein- und Ausfuhrverbote neben teilweiserSteuerbefreiung von Gewerbetreibenden.
2. Der Buchhandel. Auch die Buchdruckerkunst hattegroßen Einfluß auf den Handel. Während nämlich zunächstdie Buchdrucker den Verlag geistiger Erzeugnisse unter-nahmen, besorgten die „Bnchführer" (Buchhändler) den Ver-trieb im kleinen und durch das Reich. Später trennte sichder Buchhandel völlig von dem Druckergewerbe; die Verlegeraber benutzten nach wie. vor den nun einmal eingeschlagenenWeg, ihre Sachen den Buchführern zum weiteren Verkaufezu übertragen.
3- Aas Gewerbe. Unter den Handwerkern wurde derZunftzwang aufgelöst; an seine Stelle trat das freieGewerbe. Bald kam die Maschine, die zahllose Arbeits-kräfte ersetzte und so, verbunden mit der Gewerbcfreiheit, neuesElend herbeiführte.
4. Die Kultur im allgemeinen. Einem allgemeinenWohlstände traten die endlosen Kriege, namentlich derDreißigjährige, sehr hinderlich entgegen. Doch besserten sichda die Verhältnisse allmählich wieder. Am besten stand Frank-