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des Aufstandcs. Als andere Stände um Milde und Scho-nung baten, pochten die Glarner auf ihre Selbsthcrrlichkeit;niemand habe in ihre eigene Angelegenheit zu reden; die un-glückseligen Rebellen müssen so bestraft werden, daß der liebeGott sein Wohlgefallen daran habe.
1723 Im Jahre 1723 versuchte im Waadtlande MajorDavel, einen Aufstand gegen die Beruer zu erregen. Aufden 31. März 1723 berief er die gesamte Mannschaft, dieunter seinem Befehle stand, nach Cully. Aus ihr wählte er550 Soldaten und zwölf zu Pferde, die schönsten, kräftigstenLeute. Um 3 Uhr rückte er mit ihnen zu Lausanne einund bezog den Platz bei der Haupttirche. Er wußte, daßzur Zeit sämtliche Landvögte in der Ratssitzung zu Bern sichbefanden. Mit zweien seiner Offiziere trat Davel vor denrasch versammelten Stadtrat. Hier erklärte er sein Vorhaben,das Waadtlnnd von der beimischen Herrschaft zu befreien.Dann verlas er das Manifest an die Regierung zu Vcrn.Er klagte darin über die Untcrschleise der Laudvögte, diedurch sie maßlos verhängten Geldstrafen, die von ihnen unter-haltenen Prozesse, die Bedrückung des Handels durch dieZölle, den zugunsten der Berner Offiziere gepflegten Reis-läuferdienst, die Geringschätzung der waadtländischen Beamten,Geistlichen und Gelehrten.
Der Rat stellte sich, als sei er mit ihm einverstanden.Kaum aber hatte Davel sich einen Augenblick der Sorglosig-keit überlassen, so wurde er gefangen genommen, vor dasGericht gestellt und zum Tode durch Enthaupten verurteilt.Sterbend rief er aus: „Glücklicher Tag, an welchem ichzum Heile meines Vaterlandes leide."
1758 Den Waadtländern folgte 1755 das Livinental durchseine Erhebung gegen die Urner.
Ebenso klagte in den Städten Bern, Frei bürg undGenf die Masse der Bürgerschaft gegen die Übergriffe unddie Machtstellung einiger Patrizierfamilien.
Überdies war die Schweiz eben damals, wie schon früherbemerkt worden ist, in mehr als fünfzig verschiedene Gebietegeteilt. So war auch schon von diesem Standpunkte ausein engeres Zusammenwirken und Zusammenhalten fast nichtmehr möglich. Einst freilich hatte der Grundsatz gegolten:„Alle für einen"; jetzt aber hieß es: „Ein jeder für sich."