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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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rend Brune seine Scharen aus der Waadt gegen Frciburgund Solothuru führte.

Schon am 2. März fielen Freiburg urd Solothuru indie Hände der Feinde und Brune konnte nun ungehindert gegenBern marschieren. So wurde dieses von zwei Seiten zugleichangegriffen. Trotzdem suchten der alte Schultheiß Steiger undGeneral Karl Ludwig von Erlach, die Stadt zu retten, indemsie sich selbst an die Spitze der Verteidiger stellten. Doch umsonstwar auch die tapferste Gegenwehr! Schnucnbnrg siegte in denblutigen Schlachten bei Franbrnnnen und Granholz,nördlich von Bern. Einzig bei Ncucnegg blieben die BernerSieger gegenüber General Brunc. Doch mitten im Sicgcs-jnbel traf sie die Trnncrkunde:Die Stadt Bern ist erobert."Schancnburg hatte inzwischen bereits seinen Einzug daselbstgehalten. Es war am 5. März 1798.

So kam die noch nie von einem Feinde betretene Stadt in dieHände der Franzosen. Sie war wie ausgestorben; nur Flüchtlinge nndVerwundete sah man auf den Straßen. Die Einwohner wurden ent-waffnet nnd begruben still die für das Vaterland Gefallenen. Schnnen-burg hielt strenge Manneszucht, so daß wenig Plünderungen in der Smdtvorkamen; aber die Umgebung erfuhr Greuel jeder Art. Viele hundertFamilien erlitten die Zerstörung ihrer Wohnungen, den Raub all ihrerHabe. Die Kunde von der Übergabe Berns und die Aufforderung, dieFeindseligkeiten einzustellen, traf die Berner noch in einem hitzigeil Ge-fechte bei St. Nikolaus zwischen Aarberg und Nidan und endigte es. Siemachte den SiegeSjnbel verstummen, in welchem die Tapferen bei Neneneggihren rnhmwürdigen Sieg feierten. Überall Niedergeschlagenheit, überallWut, überall der Argwohn, durch treulosen Verrat habe der Kampf diesenunglücklichen Ansgang genommen. Man wollte die Truppen in dasOberland führen; aber alle Ordnung war aufgelöst. Voll Zorn nullRache gingen die Streiter auseinander.

Am 6. März kam der französische Feldherr Brune nach Bern, woihm Schauenbnrg das Feld räumte, indem er sich nach Solothuru zurück-zog. Brnne bestätigte die nette Regierung, befahl, einen FreiheilSbanmzu errichten, und wurde mit dem Rufe begrüßt:Es lebe die französischeund helvetische Republik!" Nachdem er dann durch verschiedene Anord-nungen ine Einführung der neuen Verfassung angebahnt hatte, nahm erdie Vorräte, die Zeughäuser, die alten Siegeszeichen und die Schätze vonBern, Freiburg nnd Solothuru in Beschlag. Das Zeughaus von Bernenthielt allein 400 Kanonen und 40,000 Gewehre, der Schatz an 2l>Millionen Franken. Als das Vermögen des Staates auf diese Weiseausgeraubt war, bemächtigte man sich des Privat- und Gemeindcvermö-gens durch hohe Äriegsstencrn und Leistungen jeglicher Art. DerFeld-herr selbst scheute sich nicht, sich fremdes Gut widerrechtlich anzueignen. Ähnli-ches geschah in Freiburg nnd Solothuru. Aus allem ging hervor, daßdie Plünderung der schweizerischen Reichtümer kein geringer Grund zum Kriege