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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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Glcirner, die zu den Schwyzern hielten. Diese selber besiegtenzwar die Franzosen in heldenmütigem Kampfe an der Schin-dcllcgi, bei Nvtkenturm und am Alorgarten; doch mußten sieschließlich der Übermacht weichen. Ihrem Beispiele folgtenGlarus, Appenzell und Uri.

Am 1. Mai hielt Reding Musterung. 4000 Mann standen ihmzur Verfügung. Mit diesen sollte er die Grenzlinie von Schwh; gegen16000 Franzosen verteidigen. Um seine Landsleute zur Tapferkeit anzu-feuern, sprach Reding:

Liebe Landsleute!

Bald sind wir am Ziel. Es fragt sich nun, ob wir, vom Feindumgeben, von unseren Freunden verlassen, bieder wie unsere Vater amMorgarten zusammenhalten wollen. Der Tod wartet unser. Wer ihnfürchtet, kehre zurück; wir machen ihm keinen Vorwurs. Wir wenigstenswollen uns in dieser Stunde nacht betrügen. Ich will lieber 100 Mann,auf die ich zählen kann, als bOO, die in der Gefahr fliehen. Ich ver-spreche, Euch in Gefahr und Tod nicht zu verlassen. Wir werden nicht

fliehen, sondern fallen. Gefallt Euch dieser Vorschlag, so lagt zwei Männeraus Eurer Mitte vortreten, die mir in Eurem Namen dasselbe geloben."

Tausendstimmig erscholl der Ruf:Ja, ja, wir wollen es halten,wir wollen Euch nicht verlassen!" Zwei stämmige Soldaten traten vorund reichten dem wackern General die Hand.

Sogleich besetzten nun die Schwyzer ihre Grenzen. Reding ver-teidigte die Schindellegi, Pfarrer Marianus Herzog von Einsiedelnsollte den Etzel schützen. Oberst Hediger stand am Morgarten undeine vierte Abteilung bewachte Arth. Am 2. Mai griffen die Fran-zosen an der Schindellegi, am Etzel und am Morgarten zugleich an. Als

sie Leu Etzel hinauskamen, verlor Herzog den Mut und verließ mit seinen

600 Mann den Paß. Reding stellte an der Schindellegi den ganzenMann. Er leuchtete mit glänzender Tapferkeit seinen 900 Mann voranund entflammte sie zur mutigen Gegenwehr. Hundertfachen Tod sandtendie Schwyzerschützen in die Reihen der Franzosen. Nach drei Stundenmußten jene weichen. Da kam die traurige Botschaft von der Preis-gebung des Etzels. Um vom Feinde nicht eingeschlossen zu werden,mußte» nun die tapfern Kämpfer Redings weichen und nahmen bei Ro-thenturm Stellung, wohin auch die Franzosen vorgerückt. 8000 Feindehatten sich daselbst gesammelt. Reding'hatte nur 1200 Mann. Trotzdemeröffnete er den Kamps. Der Kapuziner Paul Styger saß mitten imKampfgewühl hoch zu Pferde und feuerte die Schwhzer, das Kruzifixemporhaltend, zum todesmutigen Kampfe an. Auch Frauen und Töchternahmen, mit Knütteln, Sensen und Beilen bewaffnet, am Kampfe teil.Knaben zogen die Kanonen den Berg hinan und luden ihren Vatern dieGewehre. Der Kugelregen der Schwhzer reichte aber nicht aus, woraussie mit gefälltem Bajonette zum Sturmangriff schritten. Die Franzosenmußten die Flucht ergreifen und die Schwhzer waren wieder Meister desKampfplatzes. Am Morgarten siegten sie, unterstützt von den Ur-nern, ebenfalls und zeigten sich als würdige Nachkommen ihrer Urahnen.