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Hier, wo schon 1315 die Vorväter einen ruhmvollen Sieg erfochtenhatten, kam es am 2. Mai 1798 zu einem fürchterlichen Gefechte. Knabentrugen Stutzen nach und die Urnerichützen unterhielten ein lebhaftes Flin-tenfeuer. Der Feind schwankte und in einiger Entfernung hielten diefranzösischen Offiziere Rat, was zu tun sei. „Was gilt's, ich treffe denmittleren von jenen Hanptleuten dort!" sagte ein schwhzerischer Scharf-schütze. Er nahm eine dreifache Pulverladnng, zielte und drückte los. DerOffizier fiel und die andern gaben das Zeichen zum Rückzüge.
Einem Schwyzer waren die Kugeln ausgegangen. Vergeblich bater einen Kameraden, ihm solche zu geben. Da erhielt er einen leichtenSchuß. Er drückte die Kugel aus dem Fleische und lud damit sein Ge-wehr, indem er sprach: „Die Feinde meinen es besser mit mir als du;denn sie schicken mir frische Munition!"
3. Aer 'Aöerfal von Wdivalden. Nicht lange dauerteder Friede. Die Franzosen regierten mit Härte und Grau-samkeit. Insbesondere erwachte der Unwille des Volkes aufsneue, als die Freiheit der christlichen Religion beschränktund von jedem Staatsangehörigen ein Bürgereid auf diehelvetische Verfassung verlangt wurde. Namentlich setzte sichjetzt Nidwalden zur Wehr. Alt und jung rüstete abermals.Allein es waren ihrer nur 2000 waffenfähige Männer samt200 Freiwilligen, die ihnen aus Uri und Schwyz zu Hilfegeeilt waren, während ihnen Schauenburg sofort wieder mit18000 Mann entgegenrückte. Auch die Nidwaldner mußtendeshalb unterliegen. Staus selbst ging in Flammen auf.Die helvetische Verfassung aber wurde jetzt überall anerkannt.
Die Franzosen waren über den harten Widerstand wütend ge-worden und durchstreiften raubend, mordend und brennend das Ländchen.Niemand wurde verschont. Unter 414 Leichen fand man 130 Frauenund Kinder. Die Flammensänlen von über 700 Gebäuden röteten dennächtlichen Himmel.
So war denn der 9. Sept. 1798 der Nidwaldner Schreckens-tag geworden. Selbst General Schauenburg, der 3000 Mann verlorenhatte, „sagte, das sei seines Lebens heißester Tag gewesen.
Überaus traurig war die Lage des schwer heimgesuchten Ländchens.Die Häuser lagen in Schutt und Asche. Der Winter war im Anzug;alle Vorräte hatten die Flammen zerstört; das Vieh war geraubt, undzahlreiche Waisenkinder irrten, jeder Hilfe bar, umher. Selbst GeneralSchauenburg konnte das Elend nicht mitansehen und ließ täglich 1200Portionen Brot und Fleisch unter die Armen austeilen. Auch das Aus-land und die Miteidgenossen spendeten reiche Gaben. Die Waisenkinderwurden zum Teil von edeldenkenden Familien aufgenommen. Der edlePestalozzi sammelte den Rest der Waisen in Stans und wurde ihnenein liebevoller Vater und Lehrer.
1799 4. Die Schweiz als europäischer Kriegsschauplatz. Im
folgenden Jahre 1799 wurde die Schweiz, wie wir gesehen