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der Requisitionen, d. i. der gewaltsamen Beschaffung der Lebensmittelaus der Umgegend, zu betreten. Wahrend sich indessen die Franzosen auchhier durch ihre Unverschämtheit hervortaten, zeichneten sich die Schweizerebensosehr durch ihre Milde aus.
Die Schivcizerregimenter kamen bis nach Polotzk. Moskau sahen sienicht. Wo sie aber hingestellt wurden, verrichteten sie Wunder derTapserkeit. Oudinot suchte, von Polotzk aus den russischen FeldherrnWittgenstein auf der Straße gegen Petersburg zurückzudrängen. Ermußte sich aber nach Polotzk zurückziehen und dieses verteidigen. Die Lageder Stadt an der Drina war hiezn sehr geeignet. Am 17. August kames zur ersten Schlacht. Dieselbe blieb unentschieden. Oudinot aber wurdeverwundet und mußte den Oberbefehl an St.-Chr abtreten. St.-Cyr warvon Napoleon zurückgesetzt worden. Um so mehr suchte er deshalb jetztsich auszuzeichnen. Die Schweizer waren bis jetzt noch nie ins Treffengekommen. Im Kriegsrate bemerkte man deshalb, es sei endlich Zeit,auch diese einmal in die erste Schlachtliuie zu führen. Sl.-Cvr erwiderte:„Meine Herren, ich kenne die Schweizer. Ein Bataillon des 1. Regimentsstand bei Castelfrauco in Italien unter meinem Befehl. Zum Angriffsind die Franzosen rascher. Aber sollte es zum Rückzug kommen, sokönnen wir auf den Mut und die Kaltblütigkeit der Schweizer sicherzählen. Aus diesem Grunde müssen sie heute noch in der Reservebleiben."
Die Schweizer faßten dies als Zurücksetzung ziemlich übel auf.Aber die Schweizerreserve wurde noch sehr notwendig. Am Abend, alsdie Schlacht schon zugunsten der Franzosen entschieden schien und die-selben vorrückten, stürzte Plötzlich eine Schwadron russischer Gardeküras-siere in die Flanke der Vordringenden, begünstigt durch Pnlverdamps undNebel. Die Franzosen gerieten in Verwirrung, wandien sich zur Fluchtund stürzten auf das l. und 2. Schweizerregiment. Diese ließen sich nichteinschüchtern. Sie bliebe» fest und bald erhielten sie vorn 3. Schweizer-regiment Hilfe. Der Feind wurde geworfen, die Schlacht blieb gewonnenund trug St. Chr den Marschallstab ein.
Es war ein anderes Mal, ebenfalls vor Polotzk, den 18. Oktober.Die Schweizer standen dem rechten Flügel der Feinde gegenüber, mit demBefehle, sich allmählich gegen die Stadt oder die Feldschanzen zurückzu-ziehen. Aus dem rechten Flügel, dem linken feindlichen gegenüber wardas 3. aufgestellt, mährend das 4. zur unmittelbaren Verteidigung derStadt bestimmt war.
Als nun am Nachmittag der heiße Kampf auf der ganzen Linie ent-brannt war, sollten sich die beiden ersten Regimenter zurückziehen. Siewollten aber den Beweis leisten, daß man ihnen trauen dürfe, und bliebendeshalb trotz aller Befehle auf dem Platze. Der Geist von St. Jakoban der Birs war über sie gekommen. Mit Todesverachtung standen sieauf ihren Posten und überschütteten die anstürmenden feindliche» Kolonnenmit einem fürchterlichen Feuer, so daß dieselben weichen mußten. Unter Hurra-geschrei sprengt die Kavallerie heran, die Schweizer niederznrennen. Sieformieren sich im Karree und weisen die Reiter ab. Rene Infanteriewaffenrücken unter verheerendem Feuer heran und aus der Ferne sendet dierussische Artillerie ihre tödlichen Grüße. Da machen die Schweizer rechts-umkehrt und ziehen sich im Ordinärschritt zurück. Ihre Reihen sind