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brüderlich den Tapfern unsern Beistand leihen, welche ihr Leben auf denSchlachtfeldern einsetzte». Laßt uns auch der tröst- und hilfebedürftigenWitwen und Waisen der Gefallenen eingedenk bleiben; mit einem Worte,laßt uns alles tun, was uns zu einem gerechten und danerhastcu Frie-den unter uns selbst und mit alle» anderen Böllern der Erde verhelfenkönnte."
Als er jene unvergeßliche Proklamation, die ihn zum Befreier derschwarzen Bevölkerung Amerikas machte, am Nachmittag des 1. Jan. 1863unterzeichnete, sagte er zu einigen Freunden am Abend jenes Tages:„Die Züge der Unterschrift scheinen zwar etwas unsicher geschrieben, dennmeine Hände waren müde; mein Wille und mein Entschluß waren jedochfest wie nie. Ich erklärte im September, daß, wenn die Rebellen nichtznui Gehorsame zurückkehren und der Ermordung unserer Truppen Ein-halt tun würden, ich dann an den Pfeiler ihrer Stärke Hand anlegenwürde. Und jetzt ist die Zeit gekommen, mein Versprechen zu erfüllen,und kein Wort davon will ich zurücknehmen."
11. I>er deutsch-französische Krieg.
(1870—1871.)
1. Me Veranlassung. Frankreich hatte längst mit Neidgesehen, wie Preußens Macht und Ansehen wuchs. Zudemfühlte Napoleon III., wie durch die Mißerfolge seiner Re-gierung auch sein Thron gleich demjenigen seiner Vorgängerwieder mehr und mehr zum Schwanken kam. Ein Krieg nachaußen war ihm deswegen nicht unerwünscht, indem er hoffte,die Aufmerksamkeit seiner Untertanen dadurch von sich abzu-lenken. Der Vorwand zum Kriege ließ sich finden.
Die Spanier, welche im Jahre 1868 ihre Königin Jsn-bclla vertrieben hatten, forderten den hohcnzollcrischcn Prin-zen Leopold zum König. Napoleon protestierte in Berlin,erhielt aber zur Antwort: „Die Wahl eines Souveräns aufden Thron Spaniens ist eine Frage, welche für die preußischeRegierung gar nicht vorhanden ist. Diese ist bloß der Mei-nung, daß Spanien das Recht habe, die Krone anzubieten,wem es will, und Annahme und Ablehnung steht lediglichdem zu, dem sie angeboten wird." Überdies verzichtete Leo-pold auf die Thronbewerbung, „um eine untergeordnete Fa-milienfrage nicht zu einem Kricgsvorwande heranreifen zulassen". Allein Frankreich forderte, daß Preußen auch füralle Zukunft eine solche Kandidatur nicht wieder zulassenwerde. Das Begehren wurde abgewiesen und Frankreich er-klärte den Krieg.