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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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den Tunnel in acht Jahren um 12'/, Millionen billiger herzustellen. DieKaution betrug 8 Millionen. Für die Ausführung sicherte sich Favredie Mitwirkung des Professors Colladon in Genf, der am Mont-Cenis-Tunnel schon 1857 die Verwendung der Druckluft für den Betrieb derBaumaschinen eingeführt hatte. Leider sollte Favre selbst den Durchbruchdes Stollens nicht mehr erleben. Als er am 19. Juli 1879 von einemGang im Tunnel zurückkehrte, wurde er, 3000 Meter von der nördlichenMündung entfernt, von einem Plötzlichen Unwohlsein befallen und hauchteeinen Augenblick später seine Seele aus. In Genf haben Freunde dasAndenken dieses Mannes durch ein Bllstendenkmal geehrt.

Als sich am 29. Februar 1880 an der Dnrchschlagstelle Ingenieureund Arbeiter begeistert um den Hals fielen, gedachte man gleich darausdes gewaltigen Mannes als eines Toten, der acht Monate vor demgroßen Triumphe seines Geistes der Welt Valet hatte sagen müssen! Ineiner Blechkapsel hatten sie sein Bild als ersten Gegenstand durch dasBohrloch geschoben, welches das Gelingen des großen Werkes verkündethatte. Die Ausführung hatte 56°/« Millionen Franken gekostet und imMaximnm waren 3400 Arbeiter dabei beschäftigt. Etwa 1 MillionKilogramm Dynamit hatte man zur Sprengung gebraucht und der ge-samte Ausbrnch ergab 840000 Kubikmeter Gestein. Deutschland, dieSchweiz und Italien haben den Bau aus Grund eines Vertrages von 1871auf gemeinsame Kosten ermöglicht, und zwar hat Deutschland 30, die Schweiz3l und Italien 58 Millionen Subvention knacks psicku hergegeben.Dazu kam ein Aktienkapital der Gotthardbahngesellschast in Höhe von 50Millionen, und ein allerdings bis heute noch nicht ganz begebenes Obli-gationenkapital von 133350000 Franken.

Gleichzeitig entfalteten sich einzelne Industriezweigezu immer neuer Blüte, so die Seidenindustrie in Zürich undBasel, die Baumwollcnindustrie (Stickerei) in St. Gallen,Appenzell und Thurgau, die Uhrcnfabrikation in Neuenburg,Waadt und Genf, die Strohflcchterei im Aargau, die Schmuck-wareniiidnstrie in Genf, die Musikdosenfabrikation in derWaadt und in Bern, die Holzschnitzerei im Werner Ober-land, der Maschinenbau in Zürich, Winterthur, Schaffhausenu. s. w. Aber auch der Landbau und die Milchwirt-schaft waren indessen nicht zurückgeblieben. Landwirtschaft-liche Schulen, Vereine und Stationen zur Bereitung konden-sierter Milch tragen das Ihrige dazu bei. Das Handwerkfördern ebenfalls eine Reihe gewerblicher Fortbildungsschulen,Lehrlingsprüfungen, der Patentschutz und zahllose Ausstel-lungen, wie z. B. 1883 die große Landesausstellung inZürich, 1800 diejenige in Genf und jene von 1914 in Bern.

Der Handelsverkehr der Schweiz läßt sich am bestenaus nachstehenden Zahlen bemessen: im Jahre 1896 betrug