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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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Am 30. März 1915 begannen dagegen die Russen an derKarpathenfront gegen die österreichischen und deutschenStellungen anzustürmen, und zwar abermals mit gewaltigerÜbermacht. Gleichwohl wurde hier der Angriff neuerdingsblutig zurückgewiesen. Die Festung Przemysl war jedochnach viermonatlicher ruhmvoller Verteidigung durch denösterreichischen General Kusmanek am 28. März den Russenübergeben worden.

Nun versuchte Deutschland-Österreich die russischen Reihenzu durchbrechen und diesmal wieder am Dunajez zwischenGorlize und Tarnow, östlich von Krakau und in den erstenTagen des Maimonats gelang auch dieser Durchbruch vollends.Ja, am 22. Juni konnte sogar Lemberg wieder von denÖsterreichern besetzt werden.

Jetzt entschloß sich Hindenburg, das gleiche Manöver,das er bereits wiederholt mit Erfolg durchgeführt hatte, auchin Polen zu probieren, d. h. die Russen einzuschließen. Abereingedenk der bei Tannenberg und in Masuren erhaltenenLehren zog sich der russische Oberbefehlshaber, unter Aufgabeder Grenzfestungen, nunmehr rechtzeitig aus der Falle undüberließ das Land sozusagen kampflos dem Feinde. AuchWarschau ergab sich am 26. August säst widerstandslosdem Prinzen Leopold von Bayern; Jwangorod wurde vonder Armeeabteilung Woyrsch besetzt und Brest-Litowskfiel, vollständig geräumt und fast ganz niedergebrannt, in dieGewalt Makensens. Aehnlich war der Vormarsch nach Kur-land von Erfolg gekrönt, indem die Russen bei Riga-Düna-burg zurückwichen und den Deutschen das ganze Gebiet südlichdieser Linie mit Wilna überließen. Ebenso wichen die Russenvor der Heeresgruppe des Erzherzogs Friedrich in Ost-galizien von Abschnitt zu Abschnitt zurück, übergaben diefesten Plätze Luzk und Dubno und machten erst zu AnfangSeptember in der Linie Tarnopol-Chotin wieder halt.

Nun nahm der Krieg an der Ostfront, gleichwie im Westen,mehr den Charakter des Stellungskrieges an. Allein inOstgalizien, am Sereth, versuchten die Russen unter ihremBefehlshaber Iwanow, ähnlich wie die Engländer und Fran-zosen im Westen, die deutsch-österreichische Phalanx zu durch-brechen und griffen zu dem Zwecke anfangs September diean der Strypa stehenden Armeen an. Diese wichen dem