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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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der Weltkrieg die bisher geltenden Gesetze der Humanitätgegenüber dem gefangenen Feinde und den wehrlosen Greisen,Kindern und Frauen zerbrochen. Durch die Lüfte hat er sichden Weg gebahnt, um Tod und Verderben in unverteidigte,offene Städte, Spitäler und Lazarette zu schleudern, die sonstals unverletzlich galten."

Wie aber hat sich vor allem auch der geradezu infernaleHaß und die Unversöhnlichkeit bis zum völligen Unter-gänge und zur Vernichtung zwischen den verschiedenen Völ-kern und Nationen schon während des Krieges geltend ge-macht, und, mehr noch fast beim Friedensschlüsse.

Und was haben die Soldaten selbst im Kriege vielfachgelernt? was von der Front und von den Schützengräbenvielfach mit heimgebracht? Man hat in der Schweizer-geschichte die Zeit des.Neislaufens, der Söldnerdienste und, des Pensionenwescns stets als schwarze Punkte in der sonstso ruhmreichen und ehrenvollen Geschichte unseres Landes undVolkes beurteilt. Und heute? Was sehen wir in sozusagenallen Ländern, bei allen Völkern, unter allen Nationen? Woist der Glaube? Wo ist noch Liebe und Treue? Wo die Ar-beitsamkeit? der Fleiß? die Sparsamkeit? Oder ist etwa dieGenußsucht verschwunden? Haben die Vergnügen ein Endegenommen? Hat die Habsucht, die Gewinnsucht ihre Grenzengefunden?

Das mörderische Schlachten hat glücklicherweise ein Endegenommen; an seine Stelle aber, wie wir bereits gesehenhaben, ist der Bruderkrieg getreten, der Kampf der Par-teien um die Machtstellung in den verschiedenen Ländernund läßt die ermatteten Völker nicht zur Ruhe kommen.Und wie steht es mit der Ehrlichkeit und Treue im Handelund Verkehr? Oder was sagt uns auch heute noch derSchmuggel? das Schiebertum? Was künden uns die fort-währenden Verkehrsstockungen? die nimmer aufhörendenLohnbewegungen, Streiks usw.

Und die Kirche? Auch sie hat zu Anfang des Kriegesein herbes Schicksal getroffen, da ihr am 21. August 1914der Hirte Papst Pius X. durch den Tod entrissen wordenwar.

Doch Gott erbarmte sich ihrer und gab ihr auch trotz derKriegswirren und den Gefahren einer Papstwahl schon am