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Der Lebenslauf vieler Algen, Pilze und Bakterien dauert nur wenigeTage oder gar Stunden. Andere dieser niederen pflanzen, sowie mancheMoose und Flechten werden viele Jahre alt. Das Alter mancher Torf-moose, die unten beständig absterben und oben weiterwachsen, schätztman aus viele Jahrhunderte. — Die Vlütenpflanzen beschließen ihrLeben nach der Entwicklung der Blüten und Früchte, oder sie sind aus-dauernd, haben also eine unbegrenzte Lebensdauer. Die phanerogamenmit begrenzter Lebenszeit vollenden ihre Entwicklung in 1 - 2 Jahren.Dahin gehören alle Kräuter. Nach der Samenreife tritt bei ihnen einZustand der Erschöpfung ein, der den Tod zur Folge hat,- wird dieAusbildung von Blüten und Früchten künstlich verhindert, so können
Zig. 220. Die vorfeiche. (Nach einem Gemälde von L. k). Becker.)
diese Gewächse ausnahmsweise mehrjährig werden. Die Agave, dieSago- und die Talipotpalme blühen erst nach 10, ja 30 und mehrJahren und gehen dann zugrunde. — Die Stauden, Sträucher undBäume speichern Neservestoffe für eine längere Lebensdauer auf undbilden neben Blüten und Früchten Jahr für Jahr neue IDachstums-punkte aus. Es fehlt daher bei ihnen eine innere Ursache für die Be-grenzung der Lebensdauer; ihr Tod tritt durch äußere Veranlassung(Sturm, Erdbeben, Blitzschlag, Nahrungsmangel, Pilze, Tiere, Menschen)ein, so daß sie in günstigen Fällen ein außerordentlich hohes Alter er-reichen und durch riesigen Kronen- und Stammumsang sowie wunderlicheFormen Erstaunen und Bewunderung erregen. Manche alte vorfeicheund -linde hat Dichter und Maler begeistert und jung und alt zuSpiel und Tanz vereint (Fig. 220). Eine alte Linde bei Neuenstadt