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Lehrbuch der allgemeinen Botanik für Lehrerseminare / von Reinhard Heuer ;unter Mitw. von Georg Ziegenspeck
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Der Lebenslauf vieler Algen, Pilze und Bakterien dauert nur wenigeTage oder gar Stunden. Andere dieser niederen pflanzen, sowie mancheMoose und Flechten werden viele Jahre alt. Das Alter mancher Torf-moose, die unten beständig absterben und oben weiterwachsen, schätztman aus viele Jahrhunderte. Die Vlütenpflanzen beschließen ihrLeben nach der Entwicklung der Blüten und Früchte, oder sie sind aus-dauernd, haben also eine unbegrenzte Lebensdauer. Die phanerogamenmit begrenzter Lebenszeit vollenden ihre Entwicklung in 1 - 2 Jahren.Dahin gehören alle Kräuter. Nach der Samenreife tritt bei ihnen einZustand der Erschöpfung ein, der den Tod zur Folge hat,- wird dieAusbildung von Blüten und Früchten künstlich verhindert, so können

Zig. 220. Die vorfeiche. (Nach einem Gemälde von L. k). Becker.)

diese Gewächse ausnahmsweise mehrjährig werden. Die Agave, dieSago- und die Talipotpalme blühen erst nach 10, ja 30 und mehrJahren und gehen dann zugrunde. Die Stauden, Sträucher undBäume speichern Neservestoffe für eine längere Lebensdauer auf undbilden neben Blüten und Früchten Jahr für Jahr neue IDachstums-punkte aus. Es fehlt daher bei ihnen eine innere Ursache für die Be-grenzung der Lebensdauer; ihr Tod tritt durch äußere Veranlassung(Sturm, Erdbeben, Blitzschlag, Nahrungsmangel, Pilze, Tiere, Menschen)ein, so daß sie in günstigen Fällen ein außerordentlich hohes Alter er-reichen und durch riesigen Kronen- und Stammumsang sowie wunderlicheFormen Erstaunen und Bewunderung erregen. Manche alte vorfeicheund -linde hat Dichter und Maler begeistert und jung und alt zuSpiel und Tanz vereint (Fig. 220). Eine alte Linde bei Neuenstadt