52
gegen die Götter, Treue, kriegerischer Muth, Keuschheit Gastfreund-schaft und hohe Achtung vor den Frauen. Die Frau war nichtwie bei anderen Naturvölkern die verachtete Sclavin des Mannes,sondern seine treue Gefährtin, die alle Freuden und Leiden mit ihmtheilte. — Zu den Fehlern und Lastern der Deutschen gehörten: Hangznr Trunkenheit und übermäßigem Schmausen, vor allem aber dieSpielsucht. Man zögerte nicht, auf den letzten Wurf sogar die per-sönliche Freiheit einzusetzen.
Das Volk, das in zahlreiche, von einander unabhängige Stämmezerfiel, theilte sich hauptsächlich in Freie und Unfreie. Die Freienwaren theils edle Freie, theils gemeine Freie, welche letzteren dengrößten Theil der Bevölkerung ausmachten. Zu den Unfreien gehörtendie Freigelassenen, die keinen Grundbesitz haben durften, und dieSclaven. Alle streitbaren freien Männer waren im Kriegsfall zurErgreifung der Waffen verpflichtet. Man sah die Tüchtigkeit im Ge-brauch der Waffen und die körperliche Gewandtheit als unerlässlicheErfordernisse des freien Mannes an und legte auf die Erlangung dieserEigenschaften bei der Erziehung das Hauptgewicht. Der römische Ge-schichtschreiber Tacitus erzählt von den Deutschen: „Nicht so leichtberedet man sie, die Erde zu Pflügen und den Jahreslauf abzuwarten,als Feinde herauszufordern und Wunden zu erkämpfen, ja sie sehen esals Trägheit und Erschlaffung an, mit Schweiß zu erwerben, was mitBlut zu gewinnen ist." Derselbe Schriftsteller erzählt auch, dass dieFrauen den Männern in den Krieg folgten und sie durch Zuruf undGesang anfeuerten, auch selbst mitfochten, wenn das Kriegsglück sichgegen sie kehrte. Im Kampfe den Schild zurück zu lassen, galt für diegrößte Schmach; wer solche Schande auf sich lud, wurde als Ehrlosergcbrandmarkt.
Der höchste Gott der alten Deutschen war Wuotan, von demdie edelsten Gaben und Güter abhiengcn, er gebot über die Heere, ent-schied das Glück der Schlachten und ließ die Gefallenen durch dieHimmlischen Schlachtjungfrauen, Walküren genannt, in seine Wohnung,die Walhalla, geleiten, wo sie fortan an seiner Tafel herrlich bewirtetwurden und sich am Kampfspicl und an der Jagd ergötzten. Donar war derHerr der Wolken, der Gebieter über Regen und Gewitter, unter seinem-Schutze stand der Ackerbau. Zio, Wuotans Sohn, war der eigentlicheSchlachtcngott, der sich persönlich am Kampfgetümmel bethciligte. Unter denweiblichen Gottheiten nehmen Berchtha, die Göttin des Lichtes, Freha,die Göttin des Frühlings, und Hertha oder Nerthvs, die Göttin der Erde,ben hervorragendsten Platz ein. Während die gefallenen Helden in die Wal-