Das tapfere Schneiderlein. — Der Gevatter Tod.
11
Schiff tragen, das ihn in die weite Welt führt." Die Frau wardamit zufrieden; des Königs Waffenträger aber, der alles mit an-gehört hatte, war dem jungen Herrn gewogen und hinterbrachte ihmden ganzen Anschlag. „Dem Ding will ich einen Riegel vorschieben",sagte das Schneiderlein. Abends legte es sich zu gewöhnlicher Zeitzu Bette; als die Frau glaubte, er sei eingeschlafen, stand sie auf,öffnete die Türe und legte sich wieder. Das Schneiderlein, das sichnur stellte, als wenn es schliefe, fing an mit Heller Stimme zu rufen:„Junge, mach mir den Wams und flick' mir die Hosen, oder ichwill dir die Elle über die Ohren schlagen! Ich habe siebene mit einemStreich getroffen, zwei Riesen getötet, ein Einhorn fortgeführt und einWildschwein gefangen und sollte mich vor denen fürchten, die draußenvor der Kammer stehen!" Als diese den Schneider also sprechen hörten,überkam sie eine große Furcht; sie liefen, als wenn das wilde Heerhinter ihnen wäre, und keiner wollte sich mehr an ihn wagen. Alsowar und blieb das Schneiderlein sein Lebtag ein König.
5. Der Gevatter Tod.
Von I. und W. Grimm.
Es hatte ein armer Mann zwölf Kinder und mußte Tag undNacht arbeiten, damit er ihnen nur Brot geben konnte. Als nun dasdreizehnte zur Welt kam, wußt' er sich in seiner Not nicht zu helfen,lief hinaus auf die große Landstraße und wollte den ersten, der ihmbegegnete, zu Gevatter bitten. Der erste, der ihm begegnete, das warder liebe Gott; der wußte schon, was er auf dem Herzen hatte, undsprach zu ihm: „Armer Mann, du dauerst mich; ich will dein Kindaus der Taufe heben, will für es sorgen und es glücklich machen aufErden!" Der Mann sprach: „Wer bist du?" „Ich bin der liebeGott." „So begehr' ich dich nicht zu Gevatter", sagte der Mann;„du gibst dem Reichen und lässest den Armen hungern." Das sprachder Mann, weil er nicht wußte, wie weislich Gott Reichtum undArmut verteilt. Also wendete er sich von dem Herrn und ging weiter.Da trat der Teufel zu ihm und sprach: „Was suchst du? Willst dumich zum Paten deines Kindes nehmen, so will ich ihm Gold dieHülle und Fülle und alle Lust der Welt dazu geben." Der Mannfragte: „Wer bist du?" „Ich bin der Teufel." „So begehr' ichdich nicht zu Gevatter", sprach der Mann; „du betrügst und ver-führst die Menschen." Er ging weiter; da kam der dürrbeinige Todauf ihn zugeschritten und sprach: „Nimm mich zu Gevatter!" DerMann fragte: „Wer bist du?" „Ich bin der Tod, der alle gleich