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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Bächtold ; neubearbeitet von Otto v. Greyerz. 1. Band / Untere Stufe
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Die feinen Ohren. — Das Grab.

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126. Die feinen Ohren.

(Meiner Mutter.)

Von Gustav Falke.

Du warst allein;

Ich sah durchs SchlüssellochDen matten ScheinDer späten Lampe noch.

Was stand ich nur und trat nicht ein?

Und brannte doch,

Und war mir doch, es müßte sein,

Daß ich noch einmal deine Stirne strichUnd zärtlich flüsterte: Wie lieb' ich dich.

Die alte böse Scheu,

Dir ganz mein Herz zu zeigen,

Sie quält mich immer neu.

Nun lieg' ich durch die lange NachtUnd horche in das Schweigen —

Ob wohl ein weißes Haupt noch wacht?

Und einmal hab' ich leis gelacht:

Was sorgst du noch,

Sie weiß es doch,

Sie hat gar feine Ohren;

Ihr geht von deines Herzens Schlag,

Obwohl die Lippe schweigen mag,

Auch nicht ein leiser Ton verloren.

127. Das Grab.

Von Johann Gaudenz v. Salis-SeewiS.

1. Das Grab ist tief und stille, und schauderhaft sein Rand,Es deckt mit schwarzer Hülle ein unbekanntes Land.

2. Das Lied der Nachtigallen tönt nicht in seinem Schoß,Der Freundschaft Rosen fallen nur aus des Hügels Moos.

3. Verlaßne Bräute ringen umsonst die Hände wund;

Der Waise Klagen dringen nicht in der Tiefe Grund.

4. Doch sonst an keinem Orte wohnt die ersehnte Ruh';

Nur durch die dunkle Pforte geht man der Heimat zu.

5. Das arme Herz, hinieden von manchem Sturm bewegt,Erlangt den wahren Frieden nur, wo es nicht mehr schlägt.