WorworL.
hochverdiente, leider am 4. März 1890 Heimgegangene Herr Verfasser leitet«die 1858 erschienene erste Auflage dieses Buches mit folgenden Worten ein:
.Das vorliegende Büchlein verdankt freundlicher Aufforderung eines hochgestelltenSchulmannes seine Entstehung. Es soll zunächst als Leitfaden dem Geschichtsunterrichtan der meiner Leitung anvertrauten Lehranstalt zugrunde gelegt werden. Doch vielleichtfindet es auch in andern Schulen Eingang, da, trotz der Menge der vorhandenen Lehr-bischer, wohl noch mancher Lehrer nach einer Bearbeitung der Geschichte verlangt, welcheder Bildungsstufe seiner Schüler entsprechend erscheint, ihm selbst aber bequem genugeingerichtet ist, um daran seinen Unterricht anzuschließen. Die meisten der mir bekanntenKompendien erschweren nämlich dadurch ihren Gebrauch, daß sie, verleitet durch dasStreben nach möglichster Vollständigkeit, ein zu reiches Material enthalten, so daß derSchüler die Masse des Dargebotenen in sich aufzunehmen nicht imstande ist und auch dannnoch in Verwirrung gerät, wenn der Lehrer sich bemüht, die Fülle des Buches durch an-gemessene Ausscheidung des Überflüssigen zu ermäßigen. In andern Lehrbüchern ist dieeinfache Erzählung der Begebenheiten durch Reflexionen über Personen und Sachen soausgeschmückt, daß dadurch einerseits der Lehrer in seiner freien mündlichen Darstellung,die doch stets anregender bleibt und ergreifender wirkt, als alles geschriebene Wort,zu sehr beschränkt wird, andererseits der Schüler in die Gefahr eines anmaßlichenNachredens der Weisheit seines Kompendiums kommt, ohne daß er doch zu einerklaren Auffassung der historischen Thatsachen gelangt ist. Von solchen Zuthaten habeich mein Buch möglichst frei halten zu müssen geglaubt. Eine Beschränkung desStoffes ist vorzüglich in der Geschichte des Mittelalters eingetreten. Nachmeinem Dafürhalten ist diese Zeit bei Schülern der mittleren Bildungsstufe vor allemals Geschichte der Deutschen zu behandeln, und darum schließt denn auch dervorliegende Grundriß die übrigen Reiche entweder in die engsten Grenzen ein (wie z. B.Frankreich, England, Spanien rc.) oder übergeht sie (wie die skandinavischen und dieslavischen Völker) vorläufig ganz, um die Hauptmomente ihrer Entwicklung erst an der-jenigen Stelle einzureihen, wo sie in den Gang der Weltgeschichte bedeutender eingreifen.Dadurch wird der Zusammenhang der deutschen Geschichte nicht in störender Weise unter-brochen und somit zugleich der Vorteil gewonnen, daß das Buch auch als LeitfadenfüreinenbesonderenKursusinderdeutschenGeschichte ohne Schwierigkeitgebraucht werden kann. In der Geschichte der neuen Zeit mußte freilich den übrigeneuropäischen Hauvtvölkern bei ihrer erhöhten weltgeschichtlichen Bedeutung eine ausführ-lichere Darstellung, zu teil werden, die jedoch, wie ich hoffe, nicht der Vorwurf treffenwird, daß sie die Übersichtlichkeit beeinträchtige. Daß hier insbesondere die Geschichtedes preußischen Staates hervorgehoben ist und als ein zusammenhängendes Ganzesauftritt, um (ähnlich wie die deutsche Geschichte) auch fürsich behandelt werden zu können,wird man schwerlich tadeln. — Endlich dürste die Hinzufüguna von Karten zur näherenVeranschaulichung der Hauptthatsachen, wodurch sich dieser Leitfaden von allen seinenVorgängern unterscheidet, die Billigung erfahrener Schulmänner um so mehr erhalten,als diese wissen, wie schwierig dem jüngeren Schüler die zweckmäßige Benutzung der ge-wöhnlichen historischen Atlanten durch die Fülle ihrer oft in fremder Sprache mitgeteiltenNamen gemacht wird, während doch bei einem gründlichen Geschichtsunterricht Kartennicht entbehrt werden können.'
In den folgenden Auflagen ist die Ausführung dieser Grundgedanken vielfachverbessert und erweitert worden; sie selbst blieben unverändert. Gerade die unsere Zeiterfüllende Reformbewegung dürfte den Scharfblick und das sichere Urteil des ehemaligenRektors der Kreuznacher Bürgerschule ins hellste Licht setzen, der die erst jetzt allge-mein zur Anerkennung gelangenden Leitsätze für den Geschichtsunterricht schon 1858 inseinem Buche im wesentlichen durchgeführt hat.
Wie Andräs .Grundriß' unter den Lehr- und Hilfsbüchern für den Geschichts-unterricht das erste war, welches durch eine Reihe dem Text eingefügter historischerKarten die Erzählung der Begebenheiten zu veranschaulichen suchte, so erschien (1882)die 15. Auflage des Buches mit einer weiteren Beilage, wie sie in derartigen Kompendienbis dahin noch keine Stelle gefunden hatte: mit einer Anzahl kun st geschichtlicherBildertafeln, die zur Förderung und Belebung des Unterrichts nach seiner kultur-