44
Er teilte die Bürger nach dem Ertrage des Grundbesitzes in 4 Klassen(Pentakosiomedimnen, Hippeis, Zeugiten, Theten). Nur die Bürger derersten (reichsten) Klaffe konnten zu Archonten, die der drei ersten zu denübrigen Staatsämtern gewählt werden. Zur Teilnahme an der Volks-versammlung und zu den Richterstellen waren alle Bürger berechtigt.
Die Staatsgewalten waren:
». die 9 jährlichen Archonten (Eponymos, Basileus, Polemarchos,6 Thesmotheten);
d. die Aule, ein Rat von 400 Mitgliedern, die wenigstens 30 Jahrealt waren;
e. die Volksversammlung, welche die wichtigsten Staatsangelegen-heiten entschied (über Gesetze, Krieg und Frieden abstimmte) und dieBeamten wählte;
<t. das Volksgericht (Heliäa), dessen (6000?) Mitglieder jährlich ausder Volksversammlung durch das Los gewählt wurden;
e. der Areopag, ein Gerichtshof, der aus den abgegangenen Archontenbestand, welche ihr Amt tadellos verwaltet hatten. Er hütete Sitteund Herkommen, beaufsichtigte die Jugenderziehung und richtete überdie schwersten Verbrechen.
Endlich suchte Solon durch gesetzliche Anordnungen den Ackerbau und dasGewerbe zu beleben, die Erziehung der Jugend zu fördern und seine Mitbürgerdurch Hebung ihrer geistigen Bildung an die Spitze der Hellenen zu stellen.
3. Nach Vollendung dieser Verfassung verpflichtete Solon die Athenerdurch einen Eid, in den nächsten 10 Jahren nichts an derselben zu ändern,und ging dann ins Ausland. Heimgekehrt fand er zwar seine Verfassungnoch in kraft; doch wurde bald der Staat durch die Streitigkeiten dreierParteien, der Reichen, des Mittelstandes und des niederenVolkes, erschüttert. In diesen Kämpfen warf sich Pisisträlus, der sich,obgleich vornehmen Geschlechts, an die Spitze der niederen Volksklaffe ge-stellt hatte, durch List (Selbstverwundung) zum Tyrannen auf 560.Da ging der achtzigjährige Solon von neuem in die Fremde, wo er starb(seine Zusammenkunft mit Krösus § 6, L, 1. Anm.). Pisistratus wurdenach einiger Zeit aus der Herrschaft vertrieben, riß sie aber (durch diefalsche Athene) zum zweitenmal und nach abermaliger Vertreibung zumdrittenmal (538) an sich und behauptete sie dann bis zu seinem Tode (527).Er ließ die solonische Verfassung im wesentlichen bestehen, verschönerteAthen durch Bauten und förderte den Wohlstand und die geistige Bildungdes Volkes (Homers Gesänge gesammelt). Ihm folgte sein Sohn Hipßlas,der anfänglich milde herrschte, aber nach der Ermordung seines Bruders