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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Potidäa wurde nach zweijähriger Belagerung (429) von den Athenern er-obert. Auch die Stadt Mytilene auf Lesbos, welche von der athenischenBundesgenossenschaft abfiel, wurde wieder unterworfen: der auf Kleons Rat ge-faßte entsetzliche Beschluß, alle männlichen Einwohner der Stadt hinzurichten,am folgenden Tage auf die Hauptförderer des Abfalls (über 1090) beschränkt.Dagegen eroberten und vernichteten die Spartaner und Thebaner das denAthenern verbündete Platää. Die Athener aber besetzten (425) den HafenPylos in Messenien, und Kleon nahm die spartanische Besatzung auf dergegenüberliegenden Insel Sphakteria gefangen.

Um die Angriffe der athenischen Flotte vom Peloponnes abzulenken,suchten die Spartaner den Kriegsschauplatz iu die Ferne zu verlegen. IhrFeldherr Brasiöas führte ein Heer nach Macedonien, förderte dort denAbfall athenischer Bundesstädte und gewann darunter auch das wichtigeAmphipölis (Thucydrdes verbannt). Der zur Wiedereroberung entsandteKleon wurde von ihm in der Schlacht bei Amphipölis (422) ge-schlagen: beide Feldherren fielen. Daraus bewirkte Nicias einen Friedenauf 50 Jahre (421), der aber nur kurze Zeit bestand.

Denn der kriegslustige AlclbiädcS gewann Einfluß auf die Atheneraus seinem Leben: Neffe und Mündel des Perikles sehr reich, Schwager desKallias mutwillige Jugendstreiche durch Schönheit und Geist einnehmend ehrgeizig, beredt und tapfer, eitel und unfügsam Liebling des Volkes,Freund des Sokrütes, dessen Lehren sein Leichtsinn jedoch immer wieder ver-gaß ein Abbild des athenischen Volkscharakters.

2. Alcibiädcs beredete nämlich die Athener, als die sizilischeStadt Egesta ihre Hilfe anrief zu einem Feld; uze gegen das (do-rische) Syräkus und segelte (mit Nicias und Lamächus) an derSpitze eitler großen Flotte (150 Trieren und 6000 Schwerbewaffnete)415 nach Sizilien. Während seiner Abwesenheit jedoch von seinen Feindenwegen mutwilliger Religionsverspottung (Hermenverstümmelung) an-geklagt und nach Athen zurückberufen, entfloh er unterwegs und ging, inAthen abwesend zum Tode verurteilt, nach Sparta, das er aus Rachegegen Athen bewog, das belagerte Syrakus zu unterstützen. Die Syra-kuser gewannen durch Spartas Hilfe (Gylippus) erhöhte Widerstands-kraft; auch die Athener erhielten durch eine neue Flotte (unter Demo-sthknes) Verstärkung; aber ihr Heer wurde in einer furchtbaren Seeschlachtim großen Hafen der Stadt besiegt, dann auf dem Rückzüge zu Landegefangen genommen und die Feldherren Nicias und DemosthLnes (Lamächuswar schon früher gefallen) in Sprakus hingerichtet (413).

3. Zugleich setzten sich die Spartaner (zu Decelea) in Attika fest,brachten durch Aussendung einer Flotte in das ägäische Meer viele Inselnund Städte zum Abfall von Athen und unterhandelten mit den Persern